1917
Vorlage,
welche Len Zeitungen nicht mitgeteilt ist.
265. Borlage (J.-Nr. 1076 Erl. 1/17) — zur Beschlußfassung —
betreffend den Aukauf von Kuxe»
Die Notwendigkeit, die künftige Versorgung der städtischen Gas»
und Elektrizitätswerke mit geeigneten Kohlen derart sicher zu stellen,
daß sich ihr Betrieb in vorteilhafter Weise entwickeln kann, hat uns
veranlaßt, dein Beispiel der industriellen Werke, welche einen ähnlichen
großen Kohlenverbrauch wie Berlin haben, zu folgen und dem Ankauf
von Kohlenvorkommen näher zu treten. Auf Grund der in der Anlage
beigefügten Gutachten des Bergwerksdireklor Stähl er, des Geheimen
Oberbergrates Beyschlag und des Geheimen Bergrates Krusch sowie
aus Grund des ebenfalls in der Anlage beigefügten gemeinschaftlichen
Gutachtens der genannten drei Herren, haben wir beschlossen, 1000 Kuxe
der Gewerkschaft Röchling auf Grund des ebenfalls in der Anlage
beigefügten Angebotes zu einem Preise von 8 400 M pro Kux mit der
Maßgabe zu erwerben, daß die Hälfte der Gesamtsumme in bar, ein
Viertel in 5 prozentiger Kriegsanleihe zum Anrcchnungskurse von
98 pCt. und ein Viertel in 4 prozentigen Berliner Stadtobligationen
zum Anrechnungskurse von 91 pCt. gezahlt wird.
Die Gewerkschaft Röchling umfaßt dieKohlenfelder zwischenWerne
und Herbern in der Nähe von Hamm in der Größe von 21 preußischen
Maximalfcldern mit zirka 45000000 gm Flächeninhalt. Diese Kohlcn-
felder sind besonders wertvoll durch ihren großen Reichtum an Fettkohlen,
welche für die Gaswerke bei Durchführung eines Kokereibetriebes besonders
in Frage kommen würden Nach den: Sachverständigengutachten sind diese
Felder sowohl nach ihrer Lage, ihrer ungemein günstigen Form und dem
Kohleninhalt das Beste, was in absehbarer Zeit käuflich werden dürfte.
Mit Bezug auf die Berkehrsverhällnisse sind die Felder günstig belegen,
da die Möglichkeit sehr guter Anschlüsse an zahlreiche Eisenbahnlinien
sich mit kurzen Seitenlinien unschwer erreichen läßt. Für den Wasser
transport ist der Lippe-Seitenkanal vorhanden Das Gebiet ist durch
21 Tiefbohrungen aufgeschlossen, die Deckgebirgsverhältnisse sind günstig,
der Kohlenvorrat - bis 1200 m Tiefe wird ans 600 000000 t —
vorsichtig gerechnet — geschätzt.
Die Stadtverordnetenversammlung bitten wir um folgende Be
schlußfassung :
Die Versammlung erklärt sich einverstanden mit dem Ankauf von
1 000 Kuxen der Gewerkschaft Röchling ans Grund der Offerten der
beiden Gewerken Röchling'sche Eisen- und Stahlwerke und H. Röchling
vom 10. Februar 1917 zum Preise von 8 400 M pro Kux.
Die Hälfte der Gesamtsumme ist in bar, ein Viertel in fünf-
prozentiger Kriegsanleihe zum Anrechnungskurse von 98 % und ein
Viertel in vierprozentigenBerliner Stadtobligationen zum Anrechnungs
kurse von 91 % zu zahlen. Die Kaufsummc nebst Kosten ist vor
schußweise zu verausgaben und aus einer späteren Anleihe zu decken.
Wir bitten um Beschlußfassung in geheimer Sitzung.
Berlin, den 22. März 1917.
Magistrat der König!. Haupt- und Residenzstadt.
W e r m u t h.
J.-Nr. 235 8t. V. 1/17.
Zu 205,
Gemeinschaftliches Gutachten.
Felderbesitz Röchling.
Gerechtsame: 21 Mc.ximalfelder rund 45 000 000 gm, nach
den' Generalstreichen zusammengelegt ein
fast quadratisches Rechteck bildend.
Deckgebirge
a) Mächtigkeit: 670—1050 m.
b) Gefahr: Im wesentlichen günstig, beim Schachtabteufen,
event!. Wasserschwierigkeiten in den untersten
200 m.
Steinkohlengebirge: Fettkohlen bis 35 pCt. Gas, in den Mulden
Gaskohlen, in den Sätteln Magerkohlen
in unwesentlichen Mengen.
Lagerungsverhältnisse: Ziemlich flache Sättel und Mulden im kohlen
reichen Königsborner Graben.