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IV. Die Sportperiode 1. Der neue Kurs

Full text: 25 Jahre Geschichte des Berliner Vereins für Luftschiffahrt, unter Benutzung des Vereinsarchivs und nach Selbsterlebtem / Moedebeck, Hermann W. L. (Public Domain)

755 46 Ae« 
Davon Fahrten 
Jahr Mitgliederzahl Ballonfahrten außerhalb von Berlin 
1904 662 66 20 
1905 708 84 40 
1906 807 
Aeronautisch erzieherisch und zugleich verführend für diejenigen, die 
noch nicht das Glück gehabt hatten, in die Lüfte zu steigen, wirkte der für 
Ballonführer eingeführte Zwang, in der Vereinsversammlung über ihre Fahrten 
zu berichten. Manche wertvolle Erfahrung wurde hierbei zum Allgemeingut 
gemacht. 
Der neue Kurs führte auch eine Änderung hinsichtlich des Schmerzens- 
kindes, der Zeitschrift des Vereins, ein. Berson hatte sie im Jahre 1899 
an Karl Milla vom Flugtechnischen Verein in Wien abgegeben. Innerhalb 
dieser Zeit bestand ein harter Konkurrenzkampf mit den in Straßburg 
erscheinenden Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen. Ich hatte die 
Organisation der Redaktion jener von mir begründeten Zeitschrift vollständig 
unabhängig von den Luftschiffahrts-Vereinen gemacht. Anfangs übernahm 
ich die Redaktion mit Leutnant Hildebrandt zusammen, der mich damals 
recht eifrig unterstützte. Als wir dienstlich veranlaßt wurden, die Redaktion 
niederzulegen, übernahm sie zunächst der Meteorologe Dr. Mönnichs, der 
leider bei einer Skitour in den Alpen am 1. Januar 1899 von einer Lawine 
verschüttet wurde. Hierauf war Dr. Emden, ein Münchener Physiker, so 
freundlich, die Redaktion zu übernehmen und erfolgreich weiterzuführen. 
Die Klagen, welche Berson in seinem Abschiedswort über die geringe 
Unterstützung aus den Kreisen der Interessenten und Leser äußerte, deren 
bittere Wahrheit ich als ehemaliges Mitglied des Redaktions-Ausschusses der 
Vereins-Zeitschrift am eigenen Leibe verspürt hatte, hatte ich bei meinen 
MNustrierten Aeronautischen Mitteilungen durch eine stattliche Reihe hervor- 
ragender Korrespondenten des In- und Auslandes zu beseitigen versucht. 
Wenn außerdem noch etwas hinzukam, was den Illustrierten Aeronautischen 
Mitteilungen interessante und wertvolle Arbeiten zufließen ließ, so war das 
lediglich die Unzufriedenheit mit dem Inhalt und dem unregelmäßigen Er- 
scheinen der Vereins-Zeitschrift. Sie war eben kein Abbild mehr des regen 
aeronautischen Lebens in Berlin, wie sie es hätte sein sollen und sein müssen. 
Die Hoffnungen des Wiener Vereins betreffs Mitarbeit des Berliner 
Vereins erfüllten sich ebenfalls nicht. Er mußte schließlich ganz allein 
die Arbeit leisten. Karl Milla legte deshalb schon 1900 die Redaktion 
nieder, die nunmehr Ingenieur J. Altmann mit nicht besserem Erfolge 
übernahm bei redlichem Bemühen. Nach diesen bitteren Erfahrungen trat 
sowohl der Deutsche Verein für Luftschiffahrt, wie der Flugtechnische Verein 
in Wien mit der Leitung der Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen in 
Unterhandlung, welche schließlich zur Aufgabe der bisher von den Vereinen 
herausgegebenen Zeitschrift für Luftschiffahrt und zur Annahme der Illustrierten 
Aeronautischen Mitteilungen als Vereinsorgan vom Jahre 1901 an führten.
	        
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