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Band Nr. 10., 3. Mai 1806

Volltext: Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

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StcflimcRt in ci« solennes Divlsma bringen lassen, 
und befehlen hiermit allergnai igst, ferncrweitig solches 
b,i versammlcten, unter dem Gewehr stehenden Regi 
ment, öffentlich von Wort zu Wort vorlesen, und eS 
solchergestalt bekannt machen z» lassen, auch wenn sol 
ches geschehen, daS Original bei dem zeitigen Com, 
mandcur, Obristcn von Schwerin, in Verwahrung zu 
bringen, und daselbst von Commandeur zu Comman 
deur bei denen Regiments-Standarten zu verwahren. 
Des zu mehrerer Urkunde haben Wir gegenwärti 
gen Gnadenbricf und öffentliches Diploma höchst ei- 
Meine Gefangenschaft in der Jägerstraße zu 
Berlin im Jahre 1806, 
Mit dem Abwägen der Vor- und Nachtheile des 
großstädtischen Lebens beschäftigt, saß ich so eben.auf 
meinem Sorgcnstuhl« in der Jägerstraße zn Ber 
lin, als mit einem Wale Jemand ungestüm an die 
Thüre klopfte. ES war ein Polizei-Kommissar, der 
mir einen Straßenarrcst ankündigte. Ich konnte 
ihn nicht willkommen, viel weniger sich setzen heißen, 
so sehr hatte mich daS Sonderbare dieser Ankündigung 
überrascht, die mir unter dem gewöhnlichern Namen 
eines Stubenarrestes nicht so ausgefallen wäre. Doch 
faßte ich bald das Wohlthätige dieser Strafe, und er 
gab mich, mir keiner Schuld bewußt, jn diese Verfü 
gung der geheimen Polizei. 
Jn der Freiheit, frische Luft zu genießen, und in 
der langen und breiten Jäg^rstraße nach Gefallen 
zu promenircn, nicht eingeschränkt, nahm ich dennoch 
eine Empfindung in mir gewahr, die der jenes Grei 
ses ähnlich seyn mochte, welcher unter Ludwig XIV. 
zu Paris sich über das Verbot, vor eins der Thore zu 
gehen, zu Tode härmte, obwohl er ficbcnzig Jahre lang 
pnd freiwillig nie, eines berührt hatte, und der Kö 
nig ihn nur der Seltenheit wegen, als ein Beispiel le- 
benswierigcr Enthaltsamkeit von allen Promenaden 
außerhalb der Stadt, verewigen wollte. 
Mein Schreckensmann von der Polizei war kaum 
wieder auf seiner Rückkehr, als ich beide Fensterflügel 
aufriß, nicht, um ihm nachzusehen, sondern den Spiel 
raum meiner Freiheit, hie ganze Jägerstraße von 
einem Ende zum andern, von Sonnenaufgang bis 
Niedergang mit gierigen Augen zu durchmeffen. Gleich 
einem Kaufmanne berechnete ich, im Fenster liegend, 
alle Bedürfnisse des Lebens, das Nützliche und Ange- 
.«ehme desselben von allen Seiten, .neugierig, ob ich 
genhändig unterschrieben, und mit Unserm Königlichen 
Enadensicgel bestärken und behängen lassen; So ge 
schehen und gegeben in Unserer Königlichen Residenz- 
Stadt Berlin, den Eilsten Tag Monathe Juny, nach 
Christi Unsers Herrn Geburt km Eintausend Sieben 
hundert und Fünf und Vierzigsten, Unserer Königs. 
Regierung im Sechsten, Jahre. Friedrich. 
Könjgl. Gnaden-Brief und Divio»,« 
vor da» dci der gloricufcn Bataille bti 
Friedberg in Sclleiien üii hervorgethane 
Dragoner-Regiment von Bavreuth. 
bei dein heute beginnenden Straßenarreste viel 
oder wenig würde entbehren müssen. 
In demselben Augenblicke ging nicht nur mein 
Pfeifchen, sonder» auch mein ganzer Dorrath von 
Rauchtaback zu Ende; dies ängstigte mich bei dem G«-. 
fühl der verkomm Freiheit, ich rollte meine Augen ge-, 
wältig die Jägerstraße entlang, und entdeckte glück 
licher Weise No. 57- die vortreffliche TabackShändle- 
rin, Wittwe Pahl- Nun war guter Rath nicht mehr 
theuer, weder für Rauch- noch Schnupftaback. 
Dor einer halben Stunde noch frei, war ich cs 
auch ziemlich von den kleinen Bedürfnissen des Tage»; 
mein jetziger Zustand aber regte eins nach dem andern 
auf, und machte dringend, was ich als ein ganz freier 
Mensch vergessen, oder leicht vermißt haben würde. Die 
Lust zu lesen erwachte mit dem Verbote, in der Stadt, oder 
vordem Thore umherzugehen; ich sah wieder auS dem 
Fenster, suchte von HauS zu Haus, und fand Nr. 18. in 
der Jägcrstraße eine deutsche, französische, englische 
und italienische Lesebibliothek; Nr. 25. Krabousky'S 
Leihbibliothek; Nr. z6. SimonSsohn'S Ein- und Ver 
kauf gebmidener Bücher; Nr. 4z. Unger'S Buchhand 
lung und Druckerei; Nr. 62. den BuchbinderLaqnac, 
und unter dem Bogengänge der Jägerbrücke, neben 
dem französischen Fritzen- oder Wasserhause, Quien's 
Buchbandlung, Nr. 48. 
Als Leser und Büchermacher war ich also bera 
then, mit in - und ausländischen Journalen und Zei 
tungen auf ein halbes Jahrhundert in Salvo. 
Jetzt kam daS Schlimmste zum Schlimmen, — ich 
chatte mir in dem offnen Fenster eine Erkältung zu 
gezogen. Wo sindc ich armer Gefangener eine gute 
Apotheke? 
Die Foersttzung in der 
Beilas««
	        
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