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[I. Teil] VI.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

Henri blieb diskret an der Tür stehen: „Der 
Friseur, gnädiger Herr.“ 
„Na und — — wartet er auf die Einholung ?“ 
Henri erwiderte fast schüchtern: „Ich wollte 
erst fragen, ob der gnädige Herr das Thema 
— — ich meinte, vielleicht, daß der Friseur dann 
warten könnte ...“ 
Rebsch ging, der Friseur Rommel wurde von 
Henri eingelassen. Rommel erbte seit Jahren 
Helldorfs abgelegte Anzüge und Stiefel. Henri 
fand das zwar „unästhetisch‘“, und Rommel 
führte daher bei seinen Kollegen den Beinamen 
„Helly‘“; wohl mit Unrecht, denn sämtliche 
Dienstmädchen, deren Herrschaften er be- 
Suchte, fanden ihn liebenswürdig und be- 
gehrenswert. 
Rommel war Helldorfs Liebesmarschall. Er 
war Mitwisser seiner sämtlichen Verhältnisse 
seit nunmehr beinahe dreizehn Jahren. Aus 
einem sorgsam von ihm geführten Liebes- 
almanach, der neben dem Bildnis jeder Dame, 
die er besessen, genaue Angaben der Geburt, 
Ort und Zeit der Anknüpfung, Dauer der Be- 
ziehungen, außergewöhnliche Ausgaben, Tren- 
nungssumme und Höhe der weiterzuführenden 
Weihnachts- und Geburtstagsraten enthielt, 
machte er monatlich seine Auszüge, erinnerte, 
besorgte, rechnete ab, Den meisten brachte er 
die Geschenke selbst ins Haus, versicherte sie 
in wohlgesetzter Rede der dankbaren Er- 
innerung seines Herrn und stellte regelmäßig 
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