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immer nur den ‚Geldsackt. Mit Hilfe von Dieben
und Räubern wollt' er diesen Geldsack bekämpfen, mit
vierzigtausend Spitzbuben der Menschheit das Glück
erstreiten. Wer kann das anders wollen als ein
Mensch, der nicht weiß, wie es in der Wirklichkeit
aussieht — der sich in der Geschichte der Menschheit
nicht umgetan hat und vor lauter blauem Phantasie⸗
dunst die wahren Triebfedern des gesellschaftlichen
Lebens nicht zu erkennen vermag?“
Die jungen Wernickes horchten gespannt auf die
Worte des Buchdruckers. Florian Schnick schien ein
wenig betreten und wußte nichts zu erwidern.
„Gewiß ist's der Geldsack, in dem das Uebel wur⸗
zelt,“ fuhr Hans Hartung fort. „Darin hat der Weit⸗
ling recht, wie in so vielem andern, das er sehr klar
und schön gesagt hat. Aber der ‚Geldsack ist in Wirk⸗
lichkeit nichts weiter als der Ausdruck höchst ver⸗
wickelter und verworrener ökonomischer Zustände, die
uns geschichtlich überliefert sind, und die wir ihrem
inneren Zusammenhange nach begreifen müssen, be⸗
vor wir daran denken können, sie zu meistern und mit
Aussicht auf Erfolg an eine vernünftige Neuordnung
der Dinge zu gehen. Der Geldsack — das ist die
Bourgeoisie, eine brutale Macht, die gegenwärtig die
Geschicke der Menschheit beherrscht, das ist eine selbst⸗
süchtige Minderheit des Volkes, eine kleine Schar von
wohlgerüsteten und eng verbündeten Despoten des
Kapitals, unter deren Joche neun Zehntel der Mensch—⸗
heit stöhnen und nach Freiheit und Menschenwürde
lechzen. Hie Bourgeoisie, hie Proletariat — so stellt
sich haarscharf der große Klassengegensatz, der die
moderne Menschheit in zwei wirtschaftliche Lager
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