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19.

Full text: Berliner Märztage / Storck, Karl (Public Domain)

366 — 
„Pst!“ machte jetzt Herr Kasimir und winkte Hans 
zu sich heran. F 
„Was hat er nur wieder?“ dachte dieser, während 
er mit unhörbarem Schritt auf den Schlachziz zutrat. 
„Ein Weibsbild, wahrhaftig — der Mensch ist un⸗ 
verbesserlich.“ 
An einem offenen Fenster in der anstoßenden Hof⸗ 
mauer, schräg über den Hof zur Rechten, sah Hans 
ein schlicht gekleidetes Mädchen, das durch lebhafte 
Zeichen die Aufmerksamkeit der Bedrängten zu er⸗ 
regen suchte. Es war die Dienstmagd einer der Be—⸗ 
amtenfamilien, die im Rathause wohnten. 
Vorsichtig traten Hans und Kasimir auf den 
steinernen Vorsprung hinaus. Ein Blick in die Tiefe 
belehrte sie, daß der Hof von Militär frei war. Sie 
wandten sich fragenden Blickes dem Mädchen zu. 
„Hier ist 'ne Waschleine,“ flüsterte dieses, einen 
umfangreichen, im Dunkel nicht unterscheidbaren Ge⸗ 
genstand emporhaltend. 
„Hilfe im letzten Augenblick,“ sagte Hans tief 
aufatmend zu dem Polen. „Wie aber das Seil her—⸗ 
bekommen?“ 
Die Entfernung zwischen ihnen und der mutigen 
Retterin war nicht unbeträchtlich — wie leicht konnte 
ein Wurf von drüben die Galerie verfehlen! 
Aber das tapfere Mädchen hatte bereits alles 
bedacht. 
„Gebt acht!“ rief sie den beiden zu. 
Im nächsten Augenblick flog ein Holzpflock an 
ihren Köpfen vorüber und schlug leise auf den Boden 
der Galerie auf. Ein starker Bindfaden war daran
	        
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