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18.

Full text: Berliner Märztage / Storck, Karl (Public Domain)

351 — 
Herren denken, wenn sie nicht einmal vor der eigenen 
Tür die Ruhe zu erzwingen vermochten? 
Mit Spannung beobachteten die höchsten Spitzen 
der Armee dieses wohlausgedachte Manöver, wie jetzt 
die Artillerie zurückging, um den anstürmenden Gar—⸗ 
den das Feld freizugeben, und wie auf diese Art 
beide, mit Angriff und Rückzug abwechselnd, der 
feindlichen Stellung immer näher rückten. 
„Höchst anziehend und interessant,“ meinte einer 
der hochgeborenen Zuschauer, der als ein feiner Ken⸗ 
ner in strategischen Fragen galt, und er beglück— 
wünschte den Oberstkommandierenden zu der „schönen 
Idee“ der Attacke. 
Und derselbe Mann, der soeben mit einem einzigen 
Wort tausend Menschen gegen tausend andere in den 
Kampf geschickt hatte, lächelte geschmeichelt über das 
empfangene Lob und vermaß sich, das Rebellen⸗ 
gesindel noch vor Mitternacht in die Pfanne zu hauen 
— „um den Tag des Herrn nicht zu entweihen.“ 
Inzwischen aber wehrte dieses Gesindel sich mit 
wahrem Löwenmut. Mit jedem Ansprung rückte der 
Feind näher heran, aber statt zu weichen, drangen 
vielmehr die Schützen und Steinschleuderer in den 
Häusern und auf den Dächern weiter vor, um mit 
ihrem Feuer den Geschützmannschaften beizukommen. 
Dreimal bereits waren die Kanonenschlünde zu Worte 
gekommen, und dreimal hatten die Bürgerlichen sich 
in heftigem Kleinfeuer mit der Garde gemessen. Mit 
jeder Minute war die Erbitterung dieses wilden 
Kampfes gestiegen, und in fieberhafter Spannung, 
die Waffen zum Schusse bereit, erwarteten die Varri— 
kadenkämpfer den nächsten feindlichen Ansturm.
	        
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