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18.

Full text: Berliner Märztage / Storck, Karl (Public Domain)

350 — 
Es lag etwas Verdächtiges in der Schnelligkeit, 
mit der sie diesmal ihren Rückzug bewerkstelligt 
hatten. 
„Das riecht nach Unrat,“ meinte Hans Hartung 
zu dem an seiner Seite kämpfenden Polen. „Es 
scheint, sie wollen uns mit Kartätschen totfüttern.“ 
Noch hatte Herr Kasimir keine Zeit zur Antwort 
gefunden, als auch bereits die Räder der Geschütze 
von neuem über das Straßenpflaster donnerten. Jetzt 
hielten sie wieder, näher dem Rathaus als vorher, 
aber noch nicht in Büchsenschußweite. In schatten⸗ 
haften Umrissen zeichneten die gühnenden Schlünde 
der Kanonen am nächtlichen Hintergrund sich ab. Die 
dunklen Gestalten der Zugtiere verschwanden, die 
Lunten flammten auf, und mit dumpfem Krachen ent⸗ 
luden sich die Läufe der Mordmaschinen. 
Ein Hagel von Granatsplittern überschüttete die 
Barrikade. Aber die Besatzung hatte sich rechtzeitig 
in Sicherheit gebracht — nicht eine Verwundung 
war zu zählen. 
Der neue Plan der Angreifer lag offen zutage: die 
grobe Arbeit der Artillerie sollte dem Fußvolk einen 
Weg bahnen durch dieses trotzige Gemäuer, das der 
Bajonette und Kugeln bisher gespottet hatte. Man 
hatte falsch kalkuliert, als man annahm, daß gerade 
hier, unter den Augen des Königs, die Rebellen zer⸗ 
stieben würden wie Spreu im Winde. Doppelt und 
dreifach sollten sie jetzt ihre Hartnäckigkeit büßen: um 
jeden Preis mußte dieser trotzige Winkel rein gefegt 
werden. Das militärische Berlin sah seine Ehre, 
seine Ueberlieferung, seinen ganzen Nimbus in Ge— 
fahr — was sollte dieses Preußenvolk von seinen
	        
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