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16.

Full text: Berliner Märztage / Storck, Karl (Public Domain)

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und sein Herz tief betrübt gefunden über das Unglück, 
das unser teures Berlin heimgesucht hat. Und was 
ist die Ursache dieses fürchterlichen Blutvergießens? 
Nichts weiter als ein Mißverständnis, ein Irrtum..“ 
Ein lautes Murren ging durch die dichtgedrängte 
Menge, die sich das Märchen von dem „Mißverständ⸗ 
nis“ um keinen Preis aufbinden lassen wollte. 
„Pst! Ruhe!“ rief Fritze Grams den Erregten zu, 
„laßt'n sich ausquetschen!“ 
„Ganz sicher, ein Mißverständnis, liebe Brüder,“ 
fuhr der Redner fort. „Und damit ihr seht, daß Se. 
Majestät vom besten Willen beseelt sind, so können 
wir euch melden, daß die Truppen sofort nach den 
Kasernen abmarschieren werden ...“ 
„Wenn?“ klang es scharf von Ephraims Lippen. 
„Wenn ihr die Waffen niederlegt und die Barri⸗ 
kaden wegräumt. Den Bitten wird der König 
alles gewähren, der Gewalt — gar nichts.“ 
Ein Sturm der Entrüstung, untermischt mit wil⸗ 
dem Hohngelächter, brauste durch die erregte Menge. 
„Die Waffen niederlegen — das dürfte ihnen so 
passen!“ rief Ephraim Fisch. 
„Daß sie uns dann ganz gemütlich wie die Bäh—⸗ 
lämmer abmurxen können!“ meinte ein biederer 
Messerschmied, der wacker an Hartungs Seite gefoch⸗ 
ten hatte, während er seine Büchse fester umspannte. 
„Das Volk hat zu fordern, nicht zu bitten,“ 
versetzte Hans Hartung, auf den Schwarzbärtigen zu⸗ 
tretend. „Die Zeit des Bettelns ist für immer vor— 
über — das sagen Sie nur dem König!“ 
„Der Mann ist wirklich dümmer, als ich dachte,“ 
sagte der Lederhändler, zu Fritze Grams gewandt.
	        
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