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sonst der Schauplatz emsigen Geschäftsfleißes und ge⸗
werblicher Betriebsamkeit, ist in ein blutiges Schlacht⸗
feld verwandelt. Die Häuser erzittern vom Donner
der Kanonen, zerrissene Leichen decken das Pflaster,
Verwundete eilen vom Kampfplatz, um sich verbinden
zu lassen. Dazwischen tönt das Sturmgeläut der
Glocken und das Hurrageschrei der stürmenden Gar⸗
den, dem von den Barrikaden die trotzigen Kampfrufe
des Volkes Antwort geben.
Bis zur Spandauer Straße hat die Artillerie sich
vorgeschoben, und unter ihrem Beistand sind die
Garden bis an die Königsbrücke vorgedrungen. Hier
aber ist ihrem Vordringen ein Halt geboten. Hagel⸗
dicht sausen die Büchsenkugeln von den am Alexander⸗
platz errichteten Schutzwerken in ihre Reihen und
zwingen sie, selbst hinter den Barrikaden Zuflucht zu
suchen, die sie eben genommen.
Die Königstraße wenigstens war von den Truppen
besetzt — „sie gehört mir“, konnte der König einer
Bürgerdeputation gegenüber sich rühmen, die ihn am
Abend vergeblich zur Nachgiebigkeit zu bewegen
suchte. Aber wie unsagbar bescheiden war der erfoch⸗
tene Triumph! Zur Rechten und Linken liefen
Dutzende von Gassen und Gäßchen, bis an die Dächer
hinauf verrammelt und von erbitterten Menschen er⸗
füllt, die entschlossen waren, sich bis auf den letzten
Blutstropfen zu verteidigen. Und dort im Osten lag
der Alexanderplatz, in eine trotzige Festung verwan⸗
delt und von den Freiwilligen des Stralauer und
Spandauer Viertels auf Tod und Leben verteidigt.
Und während die Volkskämpfer mitten in ihren vier
Pfählen saßhen und von Tausenden hilfreicher Hände