16 —
nichts zu beißen hat, braucht sich doch keinen Gesellen
zu halten!“
„Aber Dora, was sind das für Redensarten!“
versetzte Lotte mit einem verweisenden Seitenblick.
„Seit zwanzig Jahren ist Florian Schnick bei uns,
immer wieder ist er von seinen Wanderfahrten zu uns
zurückgekehrt. Er hat uns als Kinder auf seinen
Knien geschaukelt, er ist gegen uns alle so zärtlich ge—
wesen wie ein älterer Bruder — und da sollten wir
ihm jetzt den Stuhl vor die Tür setzen, weil Schmal⸗
hans mal bei uns Küchenmeister ist? Nie soll dies
geschehen, solange ich noch ein Wort mitreden darf.“
„Unser Herr Leckner sagte immer: jeder ist sich
selbst der nächste,“ meinte Dora schnippisch.
Man sah es ihrer schalkhaften Miene an, daß es
ihr nur darauf ankam, durch ihren Widerspruch die
eigne Selbständigkeit gegenüber dem überlegenen Be⸗
nehmen der älteren Schwester zu betonen.
„Hübsche Grundsätze, die euch dieser Herr Leckner
beibringt,“ sagte Lotte ernst. Es tut mir wirklich
schon leid, daß ich auf den Gedanken gekommen bin,
dich in dieses Geschäft zu bringen.“
„Ach, du meinst wegen Axels?“
„Wie war das? Wegen Axels? Schämst du dich
denn gar nicht mehr, Dora?“
Ganz entsetzt über den leichtfertigen Ton, den die
übermütige Kleine anzuschlagen beliebte, war Lotte
unwillkürlich einen Moment stehen geblieben.
„Wir nennen ihn alle nur Axel,“ versetzte Dora
gleichmütig. „Uebrigens kann ich dir versichern, daß
es keinen unausstehlicheren Menschen gibt als diesen
Axel. Ein ganz frecher Kerl, kann ich dir sagen.“