1. Frobenstraße 36
„Am Sonntag war ich in Schwerin, und wir
haben über den Vors chlag, die Hochzeit dort zu feiern,
miteinander gesprochen. Meine Mutter ist gern da—
zu bereit und denkt auch, dieselbe bei Beschränkung
auf die notwendigsten Teilnehmer in ihren Zimmern
ausrichten zu können. Vor einer Hotelhochzeit hat
sie einen Horror. Wie sie nun in ihren drei kleinen
Puppenstuben die Sache zu Wege bringt, das ist
ihr Geheimnis, allein bei meiner Mutter ist kein
Ding unmöglich. Wir haben den Anfang des Mai
in Aussicht genommen.“ Die Hochzeit fand tatsäch—
lich am 14. Mai 18785 statt, und meine Eltern fuhren
dann, ohne eine Hochzeitsreise zu unternehmen, nach
Berlin und bezogen eine Wohnung in der Froben—
straße 36. Ein Wiederschein des Hochzeitsfestes findet
sich in „Leberecht Hühnchen“, obwohl die dort geschil—
derten Hochzeitsgäste mehr oder weniger der Phantasie
entstammen. Mein Vater selber hatte schon damals
eine starke Abneigung, sich anfeiern zu lassen, und es
war wohl die Meinung beider Eltern, wenn er vorher
einmal schrieb: „Ich ginge am liebsten in die Kirche
und damit gut.“ Von seiner silbernen Hochzeit pflegte
er zu sagen, sie sei schöner gewesen als die grüne.