Path:
III.

Full text: Ernste und heitere Theater-Erzählungen / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

39 
Verlegenheit. In, Deborah' hatte er den blinden Abraham 
zu spielen. Die Probe fand ohne Dekoration statt, und der 
Text wurde dabei dicht vor dem Souffleurkasten gesprochen. 
Am Abend mußte Abraham zu seinem Schrecken ganz im 
Hintergrund der Bühne am Fenster, den Kopf nach dem 
himmel gerichtet, stehen. Als das Judenweib ihn fragte: 
„Abraham, was machst du da, du siehst ja nicht,“ sagte 
Amberg ganz laut und gedehnt: „Aber ich höre,“ fügte 
dann aber ängstlich leise hinzu — „den Souffleur nicht.“ 
In einem anderen Stück, das auch wieder ohne die 
betreffende Dekoration probiert worden war, mußte Am⸗ 
berg mit einem Rollegen laut Vorschrift an einem Tisch, 
sehr entfernt vom Souffleur, sitzen. Da beide ihn nicht 
deutlich hören konnten, auch keiner zu sprechen anfing, 
sagte endüch Amberg: „Weißt du, hier zieht's.“ „Du hast 
recht, hier zieht's,“ sagte der andere, und beide rückten nun 
den Tisch zum Souffleur. 
Duͤrch mein Engagement in Königsberg wurde ich 
mit dem langjährigen Leiter des dortigen Stadttheaters und 
des ihm gehörenden Wilhelm-Theaters, dem Geheimen 
Kommissionsrat Woltersdorf, näher bekannt. Er war 
gerade kein sehr beliebter, aber doch ein tüchtiger Direktor. 
Woltersdorf war nicht Idealist und Kunstschwärmer, sondern 
ein Geschäftsmann, der lediglich für gefüllte Theaterkassen 
schwärmte. In Aufwendungen für Ausstattungen und der⸗ 
gleichen war er mehr als ökonomisch. Als ich einst für die 
Euryanthe“ mehr Statisten verlangte, sagte er lakonisch: 
„Stellen Sie die Monsieurs mehr auseinander und meine 
Rönigsberger werden glauben, daß es sehr viele sind.“ Der 
häufige Wechsel des Personals wurde in der Theaterwelt 
nicht zugunsten Woltersdorfs beurteilt. Er hielt aber streng 
an seinem Gagenetat fest und war darin so hartnäckig, daß 
er beim Publikum beliebte Mitglieder, die höhere Gagen 
verlangten, doch nicht wieder engagierte. Cin sehr beliebter
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.