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Full text: Ernste und heitere Theater-Erzählungen / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

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herr von Küstner, Döring zu engagieren wünschte. Die 
fortwährenden Gesuche Dörings um Entlassung bestimmten 
endlich herrn von dem Busche, den König zu bitten, Döring 
von seinem Kontrakt zu entbinden. — Döring wurde eines 
Dormittags nach dem Intendanturbureau bestellt, wo ihm 
mitgeleilt wurde, daß Se. Majestät seine Entlassung ge— 
nehmigt habe. Was tat Döring? Mit dem ihm zurück— 
gegebenen Kontrakt in der Tasche, verließ er freudig und 
vergnügt das Bureau um nach Hause zu eilen, blieb aber 
unterwegs auf dem Markte ganz plötzlich stehen, kniete 
nieder und sprach: „herr Gott im himmel, ich danke dir, 
daß ich endlich diese langweilige Stadt verlassen kann, herr 
Gott im himmel, ich danke dir!“ Darauf erhob er sich 
und setzte den Weg nach seiner Wohnung fort, während 
die Marktleute ihm staunend nachblickten. Dieses Begebnis 
wurde mir vom Direktor von Perglaß, einem großen Ver⸗ 
ehrer Dörings, 1848 mitgeteilt. Döring hatte das Glück, 
1845 als Nachfolger Seydelmanns an das hHoftheater in 
Berlin zu gelangen. Von dieser Zeit an ist er fast ein 
Menschenalter, bis zu seinem Tode, 18. August 1878, dem 
Königlichen Schauspielhause treugeblieben. 
Ciner der stimmbegabtesten Tenoristen, herr Ditt, 
der leider ganz unmusikalisch war, gehörte mehrere Jahre 
dem hoftheater in hannover an. Die Opernvorstellungen 
unter Meister Marschner, diesem genialen Kapellmeister, 
waren hohe Kunstgenüsse. Die Art und Weise, wie 
Marschner aus den Partituren die Klavierproben leitete, 
führte den Sängern und Sängerinnen zu Gemüte, was er 
von ihnen auf der Bühne erwartete. Leider war er Freund 
der Satire und Ironie, und zeigte dies, wo er nur konnte. 
Der obenerwähnte Tenorist Ditt klagte bei jeder Probe 
über Indisposition seiner Stimme, so auch vor einer Probe 
des „Tell“, in welcher Oper er den „Arnold“, eine be⸗ 
kanntlich sehr hohe Partie, zu singen hatte. Marschner
	        
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