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Full text: Ernste und heitere Theater-Erzählungen / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

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stadt schon in den vierziger Jahren des vorigen Jahr⸗ 
hunderts eine hervorragende Stellung in der deutschen 
Theaterwelt ein. Es fanden dort Opernaufführungen 
statt, die nicht nur in der Residenz Aufsehen erregten, son⸗ 
dern auch das Publikum der benachbarten Städte Frank⸗ 
furt a. M., Mainz, Wiesbaden, Mannheim u. a. mächtig an⸗ 
zogen. Abgesehen von den musikalisch gut vorbereiteten 
Opern errangen auch die reich ausgestatteten Inszenierungen 
einstimmigen Beifall. Der Großherzog wohnte den Opern⸗ 
proben gröoßtenteils bei. 
Die damals engagierten Opernmitglieder, die herren 
Breiting, Reichel, Kreuzer, Scharfe, Frau 
Agnes Pirscher, geborene Traut (die auch in Condon 
Triumphe feierte) und Frau Marlow bildeten ein vor—⸗ 
zügliches Ensemble, deren große und schöne Stimmen das 
Publikum stets zum Beifall hinrissen. 
Sie gehörten durch eine lange KReihe von Jahren dem 
Großherzoglichen Hoftheater an, dank der Munifizenz des 
Großherzogs. Im Orchester waren Künstler angestellt, die 
auch außerhalb Darmstadts HAufsehen erregten. So u. a. der 
Rontrabassist Müller, der es vermochte, die Kosinenarie 
im ,Barbier von Sevilla“ auf seinem Instrument mit glänzen⸗ 
der Virtuosität wiederzugeben. Er konzertierte wiederholt 
mit großem Beifall auch in CLondon. Seine hohe Gestalt, 
zwei mächtig große Hände, waren wie geschaffen für die 
Beherrschung des heiklen Instrumentes. 
Aber auch das Schauspiel besaß hervorragende Kräfte, 
von denen ich nur Karl Becker anführen will, dessen 
schauspielerisches Können auch Ludwig Tieck schon her⸗ 
vorgehoben hat. Ferdinand Pirscher führte die Kegie mit 
voller Hhingabe und großem Verständnis. Er war mit Agnes 
Pirscher verheiratet. Dieses liebenswürdige Chepaar besaß 
in der allernächsten Nähe von Darmstadt ein kleines Bauern⸗ 
gut. das die gefeierte Sängerin durch ihre vortrefflichen
	        
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