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Full text: Ernste und heitere Theater-Erzählungen / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

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spielen hatte, mußten ihn seine Töchter nach der Vor⸗ 
stellung am Suße der Treppe seiner Wohnung mit brennen⸗ 
den Kerzen in silbernen Armleuchtern erwarten, ihm voraus⸗ 
leuchten und nach seiner reichgeschmückten Tafel geleiten, 
wo er sich gravitätisch niederließ. Die Speisen mußten 
ihm sehr förmlich und lautlos gereicht werden. Er sprach 
kein Wort und bezeichnete seine Wünsche nur durch hand⸗ 
bewegungen. — Ganz entgegengesetzt waren seine Allüren 
beim Nachtmahl, wenn er irgendeinen gemeinen Kerl aus 
dem Volke dargestellt hatte. In roher Manier redete er 
die Seinigen an, verlangte dies und jenes in barschem 
Tone, bediente sich weder einer Gabel noch eines Messers 
und leerte in wilden Zügen ein Glas Bier nach dem andern. 
Weidner wohnte längere Zeit in dem benachbarten, 
damals noch wenig besuchten hessischen Bockenheim, wohin 
er gewöhnlich auf einem Esel nach Hhause ritt, sehr oft 
sogar im Kostüm der Rolle, die er im Theater gespielt 
hatte. — Als er einstmals in Frankfurt mit einem breiten 
Trauerflor um seinen grauen Zylinder erschien, war man 
darüber erstaunt, zumal er nach dem Tode seiner Frau 
keine Trauerzeichen angelegt hatte. Als man ihn nach 
dem Grunde fragte, sagte er, als ob es sich von selbst 
verstünde, daß er Trauer trüge: „Nun, mein Freund Falke 
ist doch gestorben.“ Das war der Wirt, wo er täglich 
einige Schoppen Apfelwein zu trinken pflegte. 
Mit Weidner waren zwei in ihrer Art hervorragende 
Darsteller gleichzeiitg engagier, Meck und Hassel; 
ersterer für Charakterrollen, letzterer für komische Rollen. 
Meck war ein ebenso bedeutender Wansen im , Egmont', wie 
u. a. auch als Rechnungsrat im Bauernfeldschen, Rechnungs⸗ 
rat und seine Töchter“. Bei seiner großen Beliebtheit in 
Frankfurt hatten ihm die herren des Theaterkomitees ein⸗ 
mal einen Benefizabend zukommen lassen. Als sie während 
der Vorstellung ihn zu dem großen verdienten Erfolge an
	        
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