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Full text: Ernste und heitere Theater-Erzählungen / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

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Geschäfte. Nicht nur der König Friedrich Wil— 
helm III., sondern auch Prinz Karl fanden Wohlge⸗ 
fallen an dem ungebildeten aber praktischen Geschäftsmann, 
dem sie es nachsahen, wenn er sich in ihrer Gegenwart 
in zwangloser Form bewegte und äußerte. Wenn die hohen 
herrschaften sich zum Besuch des Theaters angesagt hatten, 
wartete Cerf an der Türe, um sie bei der Ankunft am 
Wagenschlag zu begrüßen. Cines Abends fuhr Prinz Karl 
vor. Cerf stand, wie immer, zum Empfange am Wagen. 
Ein Schusterjunge, der vorbeiging, rief ‚Schafskopf“. Cerf 
sagte sofort: „Königliche Hoheit, er hat mir gemeint.“ „Das 
hoffe ich,“ erwiderte der Prinz lachend. 
Die Coge des KRönigs befand sich im Proszenium dicht 
an der Bühne. Es gehörte zu den Gewohnheiten des 
Monarchen, über die Brüstung seiner Loge nach der Bühne 
und ebenso auch nach dem Auditorium zu schauen und dabei 
den Kopf vorzustrecken. Cines Abends, als sich Cerf in 
der Loge des Rönigs befand, beugte sich dieser wieder ein⸗ 
mal mit dem Kopfe über die Brüstung. Darauf sagte Cerf 
wörtlich: „Bitte, Majestät, nicht den Kopf so weit vorzu⸗ 
strecken, die Schweinigels oben spucken oft herunter.“ Mit 
Cächeln nahm der Rönig den gutgemeinten Rat an. 
Cerf war ein tüchtiger Theaterleiter, erzielte große 
Einnahmen und wußte genau, was er wollte. Ein Romiker, 
herr Vogel, der bei ihm auf Engagement gastierte 
und nicht besonders gefallen hatte, kam am andern Morgen 
zu ihm. Cerf spielte den Zerstreuten, tat, als ob er ihn 
gar nicht kenne, fragte ihn nach seinem Namen. „Mein 
Name ist Vogel.“ — „Vogel? Vogel? Sind Sie der Dogel 
von jestern abend?“ — „Ja, herr Kommissionsrat.“ — 
„Fliegen Sie ruhig weiter,“ war Cerfs Antwort. 
In einer Probe, der er auf der Bühne beiwohnte, 
fragte er den Posaunisten im Orchester, der sein Instru— 
ment in der Hand hielt, warum er nicht blase. „Ich habe
	        
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