760 Berliner JIlustrirte Zeitung.
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/ Eine Volkszãhlung auf dem Sylvesterball. α
Wer zählt die im Saale Anwesenden?
Im Monat der Volkszählungen konnten auch wir es nicht
unterlassen, eine zu veranstalten, doch haben wir es uns aller⸗
dings leichter gemacht als die staatliche Zählkommission. Wir
haben von der breiten Masse Abstand genommen und uns lediglich
zur Aufgabe gestellt, mitten im Gewühl eines Balles der Sylvester—
nacht 1900, 1901 eine Zählung der in fidelster Tanzfreude anwesenden
Ballbesucher vorzunehmen. Man glaube aber ja nicht, daß das eine
olche Kleinigkeit ist, und wer schon einmal nach Mitternacht, mit
Sektperlen im Kopf, eine Entdeckungsreise durch alle Winkel eines
parfumduftenden Ballsaales unternommen hat, wird allerlei
Amüsantes gefunden haben, das sich oberflächlichen Blicken bis
dahin verbarg. Das Merkwürdige liegt nämlich darin, daß eine
zanze Reihe von Vorgängen ins Auge fallen, die darauf schließen
lassen, daß im Ballsaal mehr Personen ihr Wesen treiben, als dem Be—
schauer sichtbar sind. Der Künstler hat offenbar den Gesamteindruck
nicht stören wollen und deswegen nur wenige Personen vollständig
dargestellt und alle andexen ganz oder teilweise verdeckt. Es ist ein
Kostümfest mit Frackfreiheit. Schon ziemlich vorgerückte Zeit. Ein Gast
im Vordergrunde, Platte, Monocle, Gardenie im Knopfloch, ist schon
recht vergnügungsmüde. Eine kleine Blondine, mit einer Harlektinmütze
auf dem Kopf, ruft ihn an, aber er blickt gelangweilt zu Boden,
oder sucht er nur mit den Augen die kleinen Füßchen der Dame?
Die audere Dame, die auf einem Rundsopha sitzend, uns den tief—⸗
»ekollettierten Rücken kehrt, kichert hinter ihrem vorgehaltenen Fächer,
Sektpropfen knallen, Mützen fliegen in die Luft, es ist offenbar sehr
animierte Stimmung.
Nun sind wir uns über die Besucherzahl nicht klar. Diese
zenau anzugeben, stellen wir unseren werten Lesern zur Aufgabe.
Aber nur diejenige Anzahl bitten wir festzustellen, die sich mit
wingender UNotwendigkeit als Mindestzahl aus allerlei
Anzeichen ergiebt. Wir betonen ausdrücklich, daß es sich um
kein sogenanntes „Vexierbild“ handelt, man also die Personen nicht
iach ihren künstlich versteckten Umrissen zu suchen hat, sondern
ediglich mit Bezug auf ihre Anteilnahme an oben im Bilde dar—
estellten Vorgäugen. Man lasse also weniger die Phantasie, als
zie Logik arbeiten, und des Rätsels Lösung wird sich bald finden.
Die Suche ist nicht leicht, aber wer hätte noch nicht gern
uuf einem Balle geforscht, gesucht und gefunden.
.Auf die genaue Angabe der Zahl der im Tanzsaale An—
vesenden, und die genaue und zutreffende Beschreibung der Oert—
ichkeit, wo sie sich gerade befinden, oder nach bestimmten Anzeichen
efinden müssen, setzen wir wie bisher einen ersten
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Geldpreis voy 50 Mb.
F und
I0 Preise voy je 5 Mb.
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Gehen mehr als elf richtige Lösungen ein, so wird gezogen.
Alle Einsendungen in dieser Sache sind
An die Aedaktion der
FJerliner Mlustrirten sSeitung
reisaufsgabe No. Ix
HJerlin NV.
Ckaurlottenstrassse9
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u adressieren, sie müssen die genaue Adresse des Einsenders er—
ennen lassen und spätestens am 31. Dezember in unseren Händen
ein. Die Veröffentlichung des Resultates erfolgt in einer der
rsten Januarnummern 1001.
Die Redaktion.