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Full text: Es lebe die Kunst / Viebig, Clara (Public Domain)

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chen, wie als Mädchen!“ sagte er scherzend und 
streichelte ihr die Wangen. 
Sie hielt seine Hand fest. Sie saßen mit— 
einander im Wald, die Kiefernwipfel über ihnen 
säuselten schon im abendlichen Wind; eben war 
der kleine Wilhelm noch hier gewesen und hatte 
Erdbeeren gesucht, jetzt hatte er sich mit Mile 
hinter den Wachholderbüschen verloren. Sie waren 
allein. Ein wunderbarer Friede schwebte um sie, 
über ihnen, so weit das Auge reichte und das Ohr. 
Nicht einmal ein Holzwagen knarrte, kein Specht 
klopfte an die Baumrinden, nur ganz in der Ferne 
tönte wie verlorenes Lachen das Gurren der Wald— 
taube. Dort in der Lichtung, wo das Gras hoch— 
schießt um den kleinen, schilfverwachsenen, wasser— 
rosenbedeckten Tümpel, hoben sich schon langsam 
weiße Schleier — aber höher, zwischen den 
fernsten Kiefern stand noch die Sonne, rund und 
rötlich, und warf den Heiligenschein um die Natur. 
„Oh, wie schön!“ rief Ebel rasch. „Sieh hin, 
wie wunderschön! Und wenn ich denke, daß wir 
armen Städter das so selten sehen oder nur hinter 
Mauern und Dunst — wer das beschreiben könnte! 
Der ist glücklich der das kann! Präg dir's ein, 
Elisabeth, sieh, sieh!“ 
„Ich habe es gesehen.“ sagte sie träumerisch
	        
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