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Full text: Es lebe die Kunst / Viebig, Clara (Public Domain)

56 — 
ihn, dann fand sie die Jugendgespielin auf der 
grüngestrichenen Bank vor der Thür, den Knaben 
auf dem Schoß; und wenn sie dann wieder ging, 
ihr Kind an der Hand, stand die Einsame noch 
lange und blickte ihnen nach. 
Das war ein Bild, das Elisabeth nicht vergaß; 
es prägte sich ihr unauslöschlich ein. Immer sah 
sie die schwarze Gestalt vor der Thür des verödeten 
Hauses — nichts Teures mehr drinnen — kein 
Liebeswort, kein Kinderschrei — bezahlte Knechte 
trappsen über den Hof und jagen die Mägde 
hinter die Scheuer — da ist kein Herr, der 
nach dem rechten sieht, Mietlinge führen den Segen 
des Feldes heim — das ist eine Arbeit ohne 
Freude. Und die Witwe starrt sehnsüchtigen Auges 
in die untergehende Sonne, die rund und rot hinter 
dem Wiesengrund versinkt; ihr Trauerkleid flattert 
im Abendwind, scharf umrissen hebt sich die schwarze 
Gestalt ab von der weißen Mauer des Gehöftes. 
Arme Frau! 
Und so waren viele, die Elisabeth beschäftigten. 
Langsam, ganz allmählich kam ihr der Wunsch, in 
die Hütten des Dorfes hineinzublicken. Da waren 
Kinder ohne Mutter — da war der Mann ein 
wüster Gesell, der seine Frau prügelte und sein 
kleines Vierjähriges schon nach Schnaps schickte —
	        
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