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Full text: Es lebe die Kunst / Viebig, Clara (Public Domain)

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geneigtem Kopf, als könne sie nicht genug hören; 
man sah es ihren Lippen an, daß sie schlürften, 
Genesung tranken. Ihre Augen leuchteten. 
„Oh, Sie!“ Sie atmete, als sollte ihr die 
Brust springen. „Sie geben mir das Leben wieder, 
ja, Leben, Glück, Gesundheit! Oh Sie!“ — Sie 
trat plötzlich ganz dicht an ihn heran, ihre Augen 
streiften ihn strahlend, — nun fühlte er einen Kuß 
auf seiner Wange. „Ich danke Ihnen — danke 
Ihnen!“ Sie lachte und weinte. — Draußen hatte 
es geklingelt. „Da kommt Wilhelm!“ Sie stürzte 
nach der Thür, ihre Bewegungen waren rasch, 
mädchenhaft leicht. Schon war sie hinaus, schon 
hing sie dem Gatten am Halse. „Wilhelm! 
Wilhelm!“ schluchzte sie. 
„Was ist denn geschehen?!“ Man sah es Ebel 
an, er war nicht gewohnt, mit einer Freudenbot⸗ 
schaft empfangen zu werden. „Warum weinst du, 
Elisabeth?“ 
„Vor Freude, nur vor Freude!“ Was sie 
lange nicht gethan hatte, sie küßte ihn und zog ihn 
in die Stube hinein. „Hier, frag ihn! Wilhelm, 
ich bin wie erlöst! Es ist gut — oh, die 
Qual — mein Stück —!“ Sie sprach mit 
fliegendem Atem und ließ ihren Mann nicht los; 
blindlings tastete ihre Hand nach Heider. „Sagen
	        
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