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Volltext: Es lebe die Kunst / Viebig, Clara (Public Domain)

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jetzt sitzt du zu Hause wie angeschmiedet! Nimm's 
mir nicht übel, liebe Elisabeth, da giebt's auch noch 
andere, die etwas leisten, auch Damen, wirklich be— 
deutende! Ich lese jetzt ein himmlisches Buch von 
der Widmann — was die alles studiert hat! Und 
wie schön sie über die Pflichten der Ehe spricht! 
Drei Kinder hat sie auch, ist mir erzählt worden; 
die hat doch gewiß ganz anders zu thun als du, 
und doch sehe ich sie schon alle Morgen früh mit 
ihrer Freundin, der berühmten Starzynska, vorbei— 
radeln. Und im Frauenwohl, oder wo sonst was los 
ist, ist sie auch stets dabei. Hab du dich nur nicht 
so! Komm, Gretchen!“ Wie eine Gewitterwolke, 
gejagt vom Sturm, stob sie davon. 
Nun konnte sich Elisabeth wieder an den Schreib⸗ 
tisch setzen. Da lockte das weiße Papier, die Feder 
steckte im Tintenfaß, es war ganz still, heimlich— 
traulich im Zimmer; die Primeltöpfe, die Wilhelm 
neulich dort an's Fenster gestellt, fingen an, süß 
zu duften. Frühe Winterdämmerung schaute durch 
die Scheiben, stahl sich in jeden Winkel und lullte 
nach und nach alles ein. 
Sie konnte nicht weiterschreiben; sie warf sich 
auf's Sofa mit einem Jammerlaut und drückte 
das Gesicht in's Polster. Sie fühlte sich namenlos 
elend, ihre Nerven waren wie auf Draht gespießt,
	        
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