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Full text: Es lebe die Kunst / Viebig, Clara (Public Domain)

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Sie war außer sich. Frau Kistemacher, die gerade 
in höchst wichtiger Mission, mit den ersten 
Mustern der Bettwäsche, kam, wurde bei Seite 
geschoben. „Sehr schön, sehr schön, bitte nachher, 
nachher!“ sagte Elisabeth und lief zu Marie Ritter; 
die Dar nicht zu Hause. Dann ging sie zu Heider, 
seit dem Weihnachtsabend war sie nicht mehr hier 
hinaufgestiegen. Auf den Treppen wieder Kinder⸗ 
gequarr, hinter allen Thüren Poltern, Töpfe— 
klappern und Gesänge. Selbst die Ziehharmonika 
piepte wieder. Alles wie damals — nur der 
Weihnachtsgeruch fehlte, dieser süße Duft; und in 
ihrem Herzen fehlte auch etwas. Das pochte wohl 
ebenso rasch wie damals, vielleicht noch rascher, 
aber nicht in ahnungsvoller Erwartung, nicht in 
unbestimmter Sehnsucht. Kein bräutliches Gefühl war 
in ihr — sie dachte nur an ihre Rezension. Stürmisch 
nahm sie Stufe um Stufe. Sie riß an der Klingel 
und fiel Heider fast in die Arme; sie hielt ihm die 
Kritik vor die Augen. 
Er sah sie verwundert an. „Und darüber 
erregen Sie sich so? Pfeifen Sie drauf! Diese 
Kritik hat ein Ihnen persönlich Uebelwollender ge— 
schrieben, darauf will ich wetten! Hahaha!“ 
Er konnte lachen?! 
„Uebrigens ist bei aller Bosheit ein Körnchen
	        
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