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Volltext: Es lebe die Kunst / Viebig, Clara (Public Domain)

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Kistemachers überschüttete, war doch immer eine 
Schranke, kaum gesehen, kaum gefühlt, und doch war 
sie da. Hier war keine. 
Sie reichten einander die Hände mit einem herz⸗ 
lichen Druck 
„Glück auf, Fräulein Reinharz!“ sagte Heider 
frisch. „Ich weiß es, Sie schreiben gut, ich lese es 
auf Ihrem Gesicht. Sie haben einen Mund, ein 
Kinn, so energisch, wie ich's noch bei keinem Frauen⸗ 
zimmer gesehen habe. Und in Ihren Augen ist 
Lyrik, viel warme Empfindung — Mund und 
Augen, eine glückliche Vereinigung!“ Er zog 
den Hut von der schwarzen Mähne und schwenkte 
ihn mit einer komischen Galanterie. „Alle Achtung, 
ich bin noch keinem Mädchen begegnet, das mir so 
gut gefallen hätte! Und ich bin Kenner.“ 
„Danke!“ sagte sie heiter, hob das frische Gesicht 
zu ihm auf und lachte ihn aus freundlichstrahlenden 
Augen an. „Sie gefallen mir auch sehr gut!“ 
Er küßte nicht ihre Hand, aber er hielt sie eine 
ganze Weile in der seinen. Seine Augen ruhten 
mit einem warmen Blick auf dem Mädchen; die 
Vorübergehenden mochten sie wohl für ein Liebes— 
paar halten. 
„Wir wollen uns wiedersehen. Ist es Ihnen 
recht, Fräulein Reinharz, wenn ich Sie besuche?“
	        
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