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IV. Metz

Full text: Adolf Stoecker / Oertzen, Dietrich von (Public Domain)

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Ihrer Unterhaltung, die nur auf interessante Dinge einging und 
von hohem Standpunkt geführt wurde.“ 
Am 25. März 1876 dankt ein Metzer Pfarrer für eine 
große Gabe Stoeckers für die Orgel der Stadtkirche. Er fügt 
hinzu, daß immer noch viele nach Stoecker fragten. 
... „Wie wäre es anders möglich? Steht doch ge— 
schrieben: „Ihre Werke folgen ihnen nach.“ Und die Werke, die 
Sie in Metz gegründet, die blühen fort, Gott sei Dank, und sind 
ein schönes Denkmal, das Sie Ihrer Weisheit und Hochherzig— 
keit gesetzt haben.“ 
Im Jahre 1876 ließ Stoecker einen erweiterten Vortrag 
im Druck erscheinen: „Der religiöse Geist in Volk und Heer 
während des französischen Krieges.“ In diesem Vortrag, der 
recht eigentlich eine Frucht des Metzer Aufenthaltes war, finden 
wir schon die kirchlichen und theologischen Gedanken angedeutet, 
für welche der Verfasser später oft so lebhaft eintrat. Das deutsche 
Volk sei als ein christliches in den Krieg gezogen. „Man hat 
viel auf den toten Memorierstoff gescholten, der durch die 
preußischen Regulative in die Köpfe der Schulkinder eingeprägt 
worden sei. Ja, kurz vor dem Schluß des alten Jahres hat 
eine Zeitung unserer Residenz gemeint, die vielen auswendig 
gelernten Bibelsprüche und Kirchenlieder seien an den vielen 
Verbrechen schuld, welche uns in der Gegenwart zuweilen 
schaudern machen. Ich hätte nun große Lust, von diesem 
Memorierstoff viel Gutes zu sagen. Wenigstens tot ist er im 
Kriege nicht geblieben, sondern er hat viele, die wegen Krank— 
heit und Wunden nicht lesen konnten oder im Gefecht keine Zeit 
zum Lesen hatten, mächtig gestärkt.“ 
„Durch jede deutsche Brust wehte im Jahre 1870 der 
wundervolle Geist der Freiheitskriege, wie er uns von den Vätern 
geschildert ist; Entschlossenheit und Tatkraft, Königstreue und 
Vaterlandsliebe, ein Gottvertrauen ohne Wanken, eine Opfer— 
freudigkeit ohnegleichen stempelten den Krieg, schon ehe er 
begann, zu einem Volkskriege deutscher Begeisterung. Vor— 
bildlich für sein ganzes geeintes Volk stand unser Kaiser da. 
„Mit Gott!“ 
Der Verfasser hat seine Freude daran, viele schöne Züge 
zu erzählen, welche darauf hinweisen, daß in dem Herzen unseres 
Volkes christlicher Sinn lebte. Aber er hat auch offenen Sinn 
für das, was seit Ende des Krieges in Deutschland vorgegangen 
war, für den stattgefundenen traurigen Umschlag und für die 
unerfüllten Hoffnungen. „Das Christentum ist und bleibt der 
Gesundbrunnen der Völker; es gibt auch für uns keine Genesung, 
als in der Rückkehr zu Gott.“
	        
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