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XXXI. Nachlese

Full text : Adolf Stoecker / Oertzen, Dietrich von (Public Domain)

— 526 —

Industriestadt einmal 1600 Mark auf einmal ein. Gelegentlich
wird berichtet, daß das Kollektenbecken einen Tausendmarkschein
enthielt. Originell genug schickte nach einer Rede Stoeckers eine
Bauernfrau aus Westfalen in einem alten Holzkistchen ohne alle
Sicherung 500 Mark für Stadtmission und ebensoviel für Heiden—
mission. Niemand hatte dem wenig verlockenden Außeren des
Paketchens solchen Inhalt zugetraut! —
Von Stoeckers übergdus kräftiger Gesundheit ist mehrfach
die Rede gewesen. Und doch hat auch er eine Zeit der großen
Sorge durchmachen müssen, als ihn ein Halsleiden befiel. Im
November 1886 schreibt Frau Stoecker, ihr Gatte halte viele
Vorträge, aber nicht ohne Heiserkeit. Im Winter 1887 schreibt
dann einer der Pflegesöhne: „Was waren es für furchtbare
Wochen, als Onkel von Tag zu Tag heiserer wurde, bis endlich
Professor Gerhard die Gewächse auf den Stimmbändern fand
und sie mit Meisterhand entfernte. Welche Schwerter mögen da
durch seine Seele gegangen sein, wenn er sich vorstellte, daß er
für immer heiser bleiben, vielleicht sstumm werden würde. Eine
Klage haben wir natürlich nie gehört!“ — Ein treuer Freund
stellte damals dem Ehepaar zu einer mehrwöchigen Nachkur seine
stille, behagliche Villa am Grunewald zur Verfügung, und dank—
bar für Goöttes Hilfe und der Menschen Liebe durfte er bald die
Arbeit wieder aufnehmen. — Die Stimme machte ihm freilich
auch später manchmal Not. Im Winter 1893 und 1894 traten
wieder ernste Besorgnisse deswegen auf. Ein kleines charalteristi—
sches Erlebnis aus sener Zeit kann wohl hier seinen Platz finden.
Die Stimme, sein kostbares Werkzeug, möglichst zu kräftigen,
beabsichtigte Stoecker, bei einer berühmten Sprachheilkünstlerin
einen Kursus durchzumachen. Dieselbe entließ ihn jedoch nach der
ersten Unterredung mit dem Bemerken: „Ich kann Sie gar nichts
lehren; alle Regeln, auf die ich meine Schüler für den Gebrauch
der Stimme erziehe, befolgen Sie von selber.“ — — Qualvoller
noch waren die in späteren Jahren häufiger auftretenden schmerz—
haften Anfälle von Gallenkolik. Doch ließ er sich durch alle
Schmerzen in der Arbeit nicht hindern. Ja, es kam vor, daß er
in eine Missionsversammlung stehend fahren mußte, weil der
Schmerz ein Sitzen nicht gestattete. Er hielt seine Rede mit
Aufbietung der ganzen Kraft und darum sehr andringend; stehend
fuhr er den langen Weg wieder heim.
Auch 1898 heißt es: „Das Gallenleiden ist schlimm; trotz—
dem jeden Abend „eine Volksversammlung.“
Uber Stoecker als Hausvater im Raintal schreibt eine
andere Freundin des Stoeckerschen Hauses das Folgende: „Nicht
1879, sondern 1880 vollzog sich der Kauf des Bauernhofes; 1905
            
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