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XXX. Der 70. Geburtstag. Alter, Erkrankung, Ende

Full text: Adolf Stoecker / Oertzen, Dietrich von (Public Domain)

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an Leib und Seele; er hat uns wunderbar behütet und, wenn 
es nach dem Willen der Feinde zu Ende gehen sollte, immer 
wieder neue Kraft geschenkt, daß wir wie die Adler mit Flügeln 
auffahren konnten, sei es auch mit einigen ausgerissenen 
Schwungfedern. Und das Beste war und ist, daß er uns in 
dieser zweifelvollen Zeit im Glauben erhielt ohne Anfechtung. 
So sei denn ihm, ihm allein alle Ehre für den 20. und den 
22. September, diese Tage unvergänglichen Segens für mich. 
Und er geleite Dich frisch und fröhlich in Dein altes Heim 
zurück, das sich freut, Dich wiederzusehen. 
Es ist heute eine gewaltige Gebetsepistel; der Herr soll sie 
uns ins Herz schreiben, auf Nievergessen und Immerhalten.“ 
Die Notwendigkeit des Feierabends machte sich in der Tat 
immer stärker fühlbar. Und die Tage des Alters gefielen auch 
Stoecker nicht. Ein Arzt wurde konsultiert. Stoecker erklärte ihm, 
er sei bereit, alle wünschenswerten Verhaltungsmaßregeln zu be— 
folgen. „Nur ein Spittelweib will ich nicht werden.“ Aber 
er hat auch das noch lernen und sich in den Gedanken finden 
müssen, der ihm anfangs unerträglich schien: da zu sein auf 
der Erde, und doch nicht mehr zu wirken und zu arbeiten für 
Gottes Reich. 
Die Diagnose des Arztes lautete übrigens noch nicht un— 
günstig. Er habe noch starke Reserven in seinem von Natur 
so gesunden Körper. Eine hygienisch richtige Lebensführung 
sei aber durchaus vonnöten. Mit der Befolgung der ärztlichen 
Vorschriften hat es dann freilich manchesmal gehapert. Das be— 
hutsame Haushalten mit den Körperkräften wollte erst gelernt 
sein von dem, der 70 Jahre lang seinem Körper alles hatte zu— 
muten können. 
Im Sommer 18906 hatte Stoecker noch eine freundliche und 
glückliche Zeit auf dem Raintaler Hof. Pastor D. Fr. v. Bodel—⸗ 
schwingh berichtet darüber: „Es war im Hochsommer des Jahres 
1906. Der Abend nach heißem Tag war bereits kühl geworden 
und die Sonne schien nicht mehr über die Tiroler Berge in das 
tiefe Tal der Partnach hinein. Da begegneten sich zwei alte 
Freunde, die im Leben nicht eben sehr viel Muße gehabt, ihre 
innersten Geheimnisse voreinander auszutauschen. Jetzt an ihrem 
Spätabend wollten sie miteinander einige stille Feierabendwochen 
zubringen und das Versäumte nachholen. 
Bruder Stoecker kam, damals schon seit einiger Zeit recht 
leidend, mit seiner Frau in das tiefe Tal hinuntergestiegen, um 
mich persönlich in sein Tuskulum abzuholen. Ich hatte das 
Bedürfnis, nachdem unsere Wege nicht immer ganz miteinander 
gestimmt hatten, einmal in voller Ruhe mich mit ihm auszu—
	        
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