Pfad:
XXI. Stoecker und Witte

Volltext: Adolf Stoecker / Oertzen, Dietrich von (Public Domain)

—334 
einer Bruderanstalt ausbilden lassen wolle, um ihn geistig 
— er war sehr ungebildet — und geistlich zu fördern. Aber 
Grüneberg zog eine anfänglich zu Stoeckers Freude gegebene 
Zusage später ohne anderen Grund zurück, als den, daß er nicht 
wolle. 
So kehrte er zum Schneiderhandwerk zurück und arbeitete 
für Konfektionsgeschäfte. Der Verdienst war knapp, die Geldnot 
wurde chronisch. Vom Frühjahr 1878 liegt eine Korrespondenz 
zwischen dem Baron Moritz Ungern-Sternberg und Stoecker vor, 
aus der hervorgeht, daß Grüneberg unterstützt wurde, weil er 
am 1. Januar die Miete nicht hatte zahlen können. 
Einige Jahre verhielt der Mann sich nun still. Als aber 
im Jahre 1885 der Kampf der Juden gegen Stoecker scharfe 
Formen annahm, und die Publikation von Briefen Stoeckers 
bdegann, wurde es ihm klar, daß mit einigen Briefen Stoeckers, 
die er besaß, ein Geschäft zu machen sei. Er verkaufte sie für 
30 Mark an die demokratisch-jüdische „Volkszeitung“, die sie 
oeröffentlichte. Aus den Briefen, insoweit sie echte Bruchteile 
enthalten, geht nichts anderes hervor, als daß Grüneberg in 
der kurzen Zeit seiner christlich-sozialen Laufbahn Stoecker viel 
Not gemacht hat. Augenscheinlich sind aber schon mit diesen 
ersten Briefen Veränderungen vorgenommen, Zusätze gemacht. 
Dies bei Stellen, die Stoecker ihrem Inhalt nach gar nicht 
geschrieben haben kann, anzunehmen, ist man berechtigt, da 
Grüneberg kurze Zeit später eine förmliche Fabrik von eigenen 
und Stoeckerschen Briefen anlegte, für die er bei den Juden und 
bei Witte blankes Gold und Silber einstrich. Zum Beispiel ver— 
kaufte Grüneberg an Witte den folgenden (von Witte veröffent— 
lichten) Brief, den er an Stoecker geschrieben haben wollte: 
„Berlin, den 3. Februar 1889. 
Herrn Hofprediger Stoecker! 
Diene hiermit ergebenst zur Kenntnis, da eine Einigung 
unsererseits doch nicht zustande kommt, so halte ich alle 
Korrespondenz für überflüssig und erkläre hiermit, daß ich weder 
persönlich, noch schriftlich mit Ihnen nichts mehr zu tun haben 
pwill. E. Grüneberg.“ 
Dieser Brief ist vom ersten bis zum letzten Wort freie Er— 
findung. Das beweist das Datum, hinsichtlich dessen der Fälscher 
allzu sorglos verfahren war. In Wahrheit hatte er am 
3. Februar 1889 an Stoecker einen noch im Original vorhandenen 
Brief geschrieben, der mit den Worten beginnt: „Vorerst meinen 
Dank für Ihr freundliches Entgegenkommen,“ und schließt mit
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.