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XX. Reisen

Full text: Adolf Stoecker / Oertzen, Dietrich von (Public Domain)

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Besuchen, den Versammlungen, der Predigtverteilung, habe man 
fortfahren können. Aber noch eine vierte Art sei nun hinzu— 
gekommen: die gesungene. „Wir haben gewagt, die alte 
Kurrende wieder lebensfähig zu machen. Acht Knabenchöre 
ziehen umher und singen besonders in den Vorstadtgemeinden, 
in den Höfen der großen Häuser ihre Choräle und geistlichen 
Lieder. Auch das ist ein Stück Mission.“ 
Es war Stoecers alter Gegner, der Synodale Freiherr 
v. d. Goltz, der beim Präsidium den Antrag einreichte, eine 
Kollekte für die Stadtmission von zwei zu zwei Jahren zu be— 
willigen — eine Fürsorge, die wohl wesentlich von der Sorge 
diktiert war, man könnte sonst Stoecker gar — was Super—- 
intendent Holtzheuer beantragte — die jährliche Kollekte be— 
willigen. Übrigens wurde der Antrag v. d. Goltz einstimmig an— 
genommen. 
Am 24. November kam der am 12. November in die Ver— 
fassungskommission verwiesene Antrag Stoecker vor das Plenum. 
Stoecker erstattete den Kommissionsbericht, in dem er zunächst 
die Argumente für die Unabhängigkeit der Kirche vortrug. Man 
könne die Kulturkampfpolitik kurz dahin zusammenfassen: Rom 
hat gefehlt, die evangelische Kirche wird dafür bestraft; die 
evangelische Kirche ist unschuldig, folglich wird Rom frei— 
gesprochen. Die evangelische Kirche hätte dagegen Protest er— 
heben müssen. Das Kirchenregiment sei zu irgendeiner Kritik 
staatlicher Maßnahmen jeßt freilich nicht imstande. Aber die 
Generalsynode wäre, wenn sie nicht immer nachhinkte, der Ort 
gewesen, solche Beschwerden zu formulieren. Es sei ein Mangel 
an Abwehr vorhanden, aber auch ein Mangel an Initiative, 
nicht nur auf kirchenpolitischem, sondern auch auf sozialem Ge— 
biei. Dann kamen die Gegengründe, der Hinweis auf den doch 
vorhandenen Generalsynodalrat, die zu kurze Geltungszeit der 
Verfassung, um jetzt schon Anderungen vorzunehmen u. a. m. 
Der letzte Beschluß der Kommission sei ein vom Präsidenten Bark— 
hausen befürwortetes Kompromiß gewesen. Der Präsident hatte 
zu Protokoll erklärt, daß in zwei Jahren eine außerordentliche 
Generalsynode zur Verabschiedung der Agende und Stolgebühren— 
sache berufen werden solle und daraufhin hatte die Konimission 
„zurzeit“ von ihrem Antrag Abstand genommen. Barkhausen 
hatte Zeit gewonnen und wenigstens für den Augenblick den 
Fortschritt auf dem Wege kirchlicher Selbständigkeit verhindert. 
Das schöne Kompromiß, das allen Anforderungen der „Oppor—⸗ 
tunität“ entsprach, wurde dann mit großer Mehrheit an— 
genommen. 
Am 25. November war Stoecker Referent für den Antrag
	        
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