Wunsche mit der Bitte um Rückgabe mit — der wesentlich die
Situation gleichartig schilderte; um nichts zu versäumen, fragte
ich telegraphisch bei Herrn v. Wilmowski an, ob ich von des
Kaisers Wunsch gegen Sie Gebrauch machen solle, dies wurde mit
Allerhöchster Genehmigung bejaht. Sonach ist die Sache in den
Stand gediehen, daß ich nach meiner Pflicht Ihnen dies mitteilen
muß, und daß Sie, wenn Sie nicht der Politik entsagen wollen,
der Demission sich unterziehen müssen. Ich habe unter der Hand
Schritte getan, um dafür die Bedingungen möglichst günstig zu
gestalten und ich bitte Sie, zum Austausch darüber mich morgen
vormittag möglichst vor 11 Uhr zu besuchen.
Hermes.
Stoecker an die Gattin.
Berlin, den 28. Juli 1885.
Das war gestern ein Tag der Überraschungen. Am Morgen
war in Domstiftsangelegenheit der Oberkonsistorialrat Hubert
bei mir, der Referent für meine Prozeßgeschichten im Evangeli—
schen Oberkirchenrat. Ich klopfte auf den Busch und war ganz
glücklich, von ihm sein Urteil über die Erkenntnisse in der unver—
blümten Form zu hören: Das ist ja eine Schande! Du kannst
denken, wie mich das erfreute; Julius war dabei und strahlte vor
Vergnügen. — Am Nachmittag drei Uhr finde ich von Hermes
einen Brief, der einen völlig anderen Inhalt hat. Der Kaiser
wünsche meine Demission, ich möge heute morgen zu Hermes
kommen, um das Nähere mit ihm zu besprechen. Das habe ich
nun getan, habe Hermes sehr freundlich gefunden, aber mit wenig
Hoffnung. Ich habe versucht, die Sache nach dem Wort zu be—
handeln: Zeit gewonnen, alles gewonnen. Zunächst werde ich
dem Kaiser schreiben, daß ich selbstverständlich bereit bin, seinem
Wunsche zu folgen, daß ich aber eine Demission in Ehren erbitten
müsse, also nicht plötzlich, nicht ohne mich rechtfertigen zu
können . . . . Kögel schreibt an Hermes aus Gastein: „Der Kaiser
hat ie nicht rufen lassen“ — (um über Stoeckers Sache zu
reden).
Stoecker an die Gattin.
Berlin, den 29. Juli 1885.
..3.3: „Engel (Chefredakteur des „Reichsboten“) war ganz
glücklich bei dem Gedanken, daß ich dann ein freier Mann wuͤrde,
ohne die Ketten der Konvenienz. Beinahe könnte ich auch so
fühlen, aber ich denke mehr an die Sache und glaube deshalb,
wenn diese Wendung noch zu vermeiden ist, dann ist es besser.
sbrigens haben Kögel wie Hermes die Sache nicht als direkten
Befehl angesehen, sondern als eine Allernative Beide meinen.