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I. Kindheit und Jugend

Full text: Adolf Stoecker / Oertzen, Dietrich von (Public Domain)

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Um das Jahr 1850 stand Vater Stoecker als Wachtmeister 
bei den Halberstädter Kürassieren und hatte mit seiner Familie 
eine Dienstwohnung inne auf dem Hofe des alten „Heiligen— 
Geist-Klosters“, in dessen Baulichkeiten die Dienstpferde seiner 
Schwadron untergebracht waren. Galten nun die Stoeckerschen 
Söhne schon an sich als gute und gern aufgesuchte Spielgenossen, 
so war ihre Anziehungskraft um so größer, je reizvoller für die 
Jugend der Aufenthalt und das Umherspielen in den Ställen der 
Schwadronspferde wie den darüberliegenden Sattelböden und 
benachbarten Turnanstalt sein mußte, deren Betreten den 
Söhnen des allgewaltigen Wachtmeisters mit ihren Genossen 
nicht versagt wurde. Unter Führung der Brüder Stoecker 
herrschte hier ein munteres Leben voll Frische und Jugendlust. 
Daß Adolf als heranwachsender Knabe hier ganz in seinem 
Elemente war, wird jeder glauben. Erstaunlicher aber und in 
der Tat viel bewundert war' es, daß sein scharfer Blick jedes 
auf den Hof oder in die Reitbahn geführte Dienstpferd sofort 
erkannte und mit seinem Namen, ebenso wie dessen Reiter zu 
nennen wußte. Hieran erinnerte eine Begegnung, die sich nahezu 
50 Jahre später, nämlich in der zweiten Hälfte der Wer Jahre, 
in Altona zutrug. Während einer Vortragspause stellte sich 
Adolf nämlich ein Zuhörer mit den Worten vor: 
„Herr Hofprediger, ich habe ehedem bei der Schwadron 
Ihres Vaters gestanden als Kürassier; meines Namens werden 
Sie sich nicht erinnern!“ 
„Ohne weiteres freilich wohl nicht,“ sagte Adolf, „doch 
welches Pferd ritten Sie damals?“ 
„Den Simon!“ 
„Dann sind Sie N. N.“ 
„Stimmt!“ 
Soweit der Gewährsmann. 
Im Jahre 1851 wurde nun der Vater Stoecker verab— 
— D00 
mit dem Pferde angegeben, während der Sohn ein gichtiges 
Leiden in erster Linie nennt. Beides ist sehr wohl vereinbar. 
Das körperliche Leiden wird sicheres Reiten beeinträchtigt und 
zum Sturz geführt haben. 
Jedenfalls verschlechterte sich die äüußere Lage der Familie 
zeitweilig, und Adolf mußte mit für die Lebensnotdurft sorgen. 
Der Gewährsmann schreibt weiter: 
„Schon als etwa 16jähriger Gymnasial-Sekundaner be— 
gann er eine ausgedehnte Nebentätigkeit, jüngeren Gymnasiasten 
Nachhilfestunden zu erteilen. Dies geschah aus wirtschaftlichen 
Rücksichten, aber es wurde möglich, weil die Lehrer des Gym—
	        
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