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Ertes Buch. Die Knabenwelt Fünftes Kapitel. Die Familie

Full text: Cabanis. / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Alexis, Cabanis. 
vor Zerknirschung, als er das Anerbieten des Monarchen ver—⸗ 
nahm, sprach vom gerührten Vaterherzen, das ihm nicht länger 
erlaubt, den Tränen seiner geliebten Töchter zu widerstehen, von 
der aufopfernden Liebe der beiden Jünglinge, erbot sich aber, 
wenn Seine Majestät es gut heiße, das kaum geknüpfte Band 
wieder zu zerreißen. Der Monarch war ärgerlich, aber eine 
Verlobung, als Vorbereitung zu einem Sakrament, ihm eine viel 
zu ernste Sache, um dies zuzugeben. Die Splittegarbschen Töchter 
waren auch aͤrgerlich, die Sache aber war viel zu ernst, um sie 
wieder rückgängig zu machen. Auf diese Weise hatten unsere 
Vettern die reichsten Erbinnen von Berlin gewonnen, und das 
Glück war auf einmal, wir wußten nicht wie, in unserer 
Familie! 
Wenigstens hieß es so. In den engeren Familienkreisen 
unserer Vettern befand es sich nicht jederzeit. Außerhalb des 
Haufes zog man freilich von nun an vor ihnen, als vor reichen 
Leuten, tief die Hüte, im Hause waren sie aber nicht mehr als 
vorher, das heißt die gehorsamen Diener ihrer Prinzipalstöchter. 
Sie mußten, wenn sie in die Wohnzimmer ihrer Frauen treten 
wollten, sich melden lassen, sie wurden zum Essen gerufen, mußten 
Fächer und Tücher halten, einer sogar den Mops, und ihren 
Ehehälften in die Gesellschaft folgen. Bei uns hatten die güten 
Vettern es nicht so übel, denn an den Sofalehnen neben ihren 
Frauen postiert, redeten diese oft ein freundliches Wort mit ihnen, 
was freilich nur geschah, um mit einigem Anstande der Tante 
Rätin den Rücken zu kehren. 
Ich scheine Ihnen vielleicht etwas boshaft in der Schilderung 
meiner Familie. Ich will den Vorwurf nicht ganz ablehnen, 
denn ich gebe zu, daß alles, was zwischen uns bis dahin vor⸗ 
gefallen, weder meine Achtung noch meine Liebe erwecken können. 
Auch was nachdem sich ereignet, war wenig angetan, mich auf 
andere Gedanken zu bringen. An jenem Morgen verdroß es 
mich zumal, daß mein Vaͤter, sobald er meiner ansichtig wurde, 
von mir verlangte, ich solle umhergehen und allen Frauenzimmern 
nach der Reihe die Hand küssen. Das war wohl sonst in der 
Ordnung, aber auch heute es zu fordern, wo sie nur die Bos— 
heit hergetrieben hatte, war doch zu grausam. Ich machte mich 
nach der Reihenfolge an meinen sauren Frondienst und bei jeder 
knöchernen Hand, die ich an meine Lippen drückte, mußte ich das 
Kompliment wiederholen: „Bon jour, meine werte Cousine, wie 
freuen wir uns der Ehre, Sie in unserem Hause zu sehen.“ 
Wenn doch auch nur eine gewesen wäre, die mir die Floskel 
erlassen hätte! Besonders schwer wurde es mir, die großen, kalten
	        
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