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Sechstes Buch. Der Friede Drittes Kapitel. Eine warme Frühlingssonne

Full text: Cabanis. / Alexis, Willibald (Public Domain)

3. Kapitel. Eine warme Frühlingssonne. 677 
Eugenie lächelte; und wäre der Scherz kein Scherz gewesen, sie 
hätte doch gelächelt. Sie hätte die schmutzigen Kinder umarmen 
mögen. Sie teilte ihre Börse unter sie, und als sie leer war, 
mußte der Jäger seine hergeben. 
Etienne hatte sein Wort gelöst, ein Hurra der munteren Brut 
empfing ihn, sie endeten nicht mit Vivats, dem „schlanken Leut⸗ 
nant“ und seiner „schönen Braut,“ und selbst als sie den Wagen 
bestiegen, folgte ihnen die kleine Schar in toller Ausgelassenheit. 
Zum Entsetzen des Grafen wuchsen sogar an Dualität und 
Quantität die Lebehochs, hinaufgeschrien dem „braven langen 
Leutnant“ und der „generösen schönen Gräfin“. Der Wagen fuhr 
langsam, die jungen Leute sprachen nicht, wenigstens nicht in 
einer ihm verständlichen Sprache, und der Graf dachte, daß ein 
populäres Friedensfest eiu sehr peinliches Fest sei. „Wie ist 
Ihnen zumute, mein Vater?“ fragte Eugenie, ihre Hand 
Etiennes Druck entziehend, um sie dem Vater zu bieten. Sie 
wollte dem stummen, verdrießlichen Manne etwas von ihrer 
Seligkeit abgeben; aber sie hörte schon nichts von seiner Antwort: 
„Es ist ein Götterfest, geliebt zu sein wie dieser Friedrich — 
von dieser Populace“ Der Ton von dieser und dieser war 
fast deutlicher, als ein Diplomat sich äußern darf, zumal bei 
einem Friedensbündnis. Er trocknete sich die Stirn und meinte, 
es sei für einen Frühlingstag sehr heiß. 
Es ereignete sich etwas auf dem langsamen Rückwege, was 
alle Teile gleich zufriedenstellte. Der holländische Gesandte kam 
vorübergefahren. Ein guter Bekannter des Grafen, wurde er 
jetzt dessen Wohltäter, indem er ihm einen Platz in seinem Wagen 
anbot, welchen dieser, um, wie er sagte, eine Angelegenheit von 
Wichtigkeit zu besprechen, mit einer Freude, die nicht diplomatisch 
war, denn sie war aufrichtig, annahm. Er empfahl seine Kinder 
dem Segen des Himmels und der höllischen Straßeneskorte, und 
konnte wiederum nicht diplomatischer handeln. Etienne war nie 
so sanft gefahren als jetzt an Eugenies Seite, das Geschrei der 
Buben war Musik, es war ein Festlied, ein Brautgesang, der 
seine Seligkeit, statt zu stören, erhöhte. Sie scherzte, lachte, er 
mußte auch seine Börse leeren und sie bestimmte ihm die Knaben, 
denen er die letzten Groschen zuwarf. „Aber wo ist denn Gott— 
lieb?“ frug sie. — „Er freut sich auch mit; Berlin ist seine 
Vaterstadt.“ — „Aber wo ist er?“ — „Er verläuft sich nicht, 
wenn er auch tagelang fort ist; denn er ist kein leibeigener. 
sondern ein freiwilliger Hund.“ 
Der Wagen, der schon immer hat langsam fahren müssen, 
war jetzt genötigt, fast stille zu stehen. Betrunkene oder Verunglückte
	        
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