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Viertes Buch. Die Vaterstadt Neuntes Kapitel. Das Abenteuer

Full text: Cabanis. / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Alexis, Cabanis. 
Köchin war auf dem Schapp zu finden. Die Asche auf dem 
Herde war noch heiß, er pustete, um eine Kohle anzufachen, blies 
sich aber nur die Asche ins Gesicht, ohne Licht zu erhalten. Als 
ihn ein letzter, verdeckter Napf, der ihm in die Hand gefallen, 
auch täuschte, verführte ihn fast der Unmut, ihn auf Art und 
Weise einquartierter Soldaten fortzustellen, wenn ihnen die Speisen 
nicht nach Geschmack gekocht sind, als ihm ein Lichtstrahl, oder 
vielmehr ein Lichtpunkt auffiel. Er kam aus einem Schlüsselloch 
— im Nebenzimmer brannte Licht, mehr konnte er nicht sehen, 
da der Schlüssel von innen steckte, er legte das Ohr an. Es 
war kein Schnarchen, sondern das sanfte Aufatmen eines 
Schlummernden. Sollte er pochen. Schlaf oder Essen fragte er 
sich, die Klinke in der Hand. Da ging die Tür auf, sie war 
nicht verschlossen, nicht verriegelt gewesen. Sie knarrte nicht in 
ihren Angeln, und der Leutnant Elienne stand in dem kleinen, 
behaglichen Zimmer, ohne daß die Lichter auf den Armleuchtern, 
beschwert von langen Schnuppen, aufflackerten, und die schlafende 
Person auf dem grünen Kanapee aufwachte. 
Zu essen fand er auch hier nichts, als er die Lichter vor— 
sichtig geputzt, dagegen einen Anblick, den er nicht erwartet, den 
er in den Feldlagern und auf der kriegerischen Heerstraße lange 
entbehrt. Ein junges Frauenzimmer von ebenso lieblich feinen 
Gesichtszügen als zartem Körperbau ruhte schlummernd auf dem 
Kanapee. Nicht daß der Schlaf sie, etwa bei der Lektüre oder 
beim Ausziehen, überrascht hätte, sie war nicht hingesunken im 
Kampfe mit ihm, das Gesicht im Arm, die Wange auf der Sofa— 
lehne, halb sitzend, wie die müde Natur ihr Recht will. Nein, 
sie saß aufrecht so zierlich und hübsch, als wäre vorm Einschlafen 
jede Falte ihres Kleides, jede Miene ihres lieblichen Gesichts 
zurechtgelegt, geordnet worden, die Hände auf dem Schoß ver— 
schlungen, die Füßchen in den hochhackigen Atlasschuhen auf einem 
Polster, das Köpfchen mit seiner hohen Frisur, zweimal so lang 
als das Gesicht, über dessen weißer Stirn sie sich aufwärts türmte, 
gegen Kissen gelegt, daß sie sich nicht eindrücke. Es war alles 
gemacht bis auf den Ausdruck von Unschuld, Frieden und 
Seligkeit in dem holden Gesicht, und ohne das sanfte Wallen 
des Busens unter dem Taftkleide hätte man die ganze Gestalt 
für eine gelungene Wachsfigur im Brautstaate ansehen mögen. 
Ja, es war eine Braut, eine glückliche Braut, morgen war ein 
froher Tag; das sprach ihre Miene, das verkündeten Myrten und 
Rosen im Haar. Es forderte einen Kenner seiner Zeit, um zu 
wissen, daß die seltsame Positur der jungen Dame nur ihre Frifur 
zur Ursache hatte. Noch perlte der frisch gestreute Puder an dem
	        
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