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Viertes Buch. Die Vaterstadt Siebentes Kapitel. Feindes Hand

Full text: Cabanis. / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Alexis, Cabanis. 
sprach sich schon deutlich aus. Lascys wütendes Gesicht drängte 
sich durch die Suite des rufssischen Feldherrn und seine Augen 
sprühten Feuer gegen Tottleben, welcher keinen Augenblick über 
der Würde des Kriegers die feine Sitte des Weltmanns vergaß. 
Es gab hier Stürme, die abgeschlagen wurden, und doch, stündlich 
heftiger, endlich drohten zum Ziel zu kommen. Mitten unter den 
bebärteten, sonnenverbrannten Gesichtern der Russen und Slavonier, 
unter den Habichtsnasen des Südens und Augen, die iberische 
Glut, dalmatische Schlauheit atmeten, unter den Federhüten und 
behangenen Bärenmützen, die auf die Schädel treuer Söhne des 
österreichischen Vaterlandes und glücklicher Abenteurer drückten, 
welche Ruhm- und Beutelust unter den Jahnen des Doppeladlers 
versammelt, sah man die wohlfrisierten Scheitel, die gestickten Atlas— 
röcke der Berliner Magistratspersonen. Ihre Rücken waren ge— 
schmeidig, ihre Zungen beredt, ihre Blicke traurig, auf ihren 
Brauen aber doch der Stolz, den auch der Besiegte nicht ver⸗ 
leugnet, wenn er ein Recht hat stolz zu sein. Lascy wies ihnen 
den Ellbogen, Tottleben zuckte die Achfeln. 
Mit unermüdlicher Tätigkeit sah man einen Mann unter 
diesen Abgeordneten der Stadt ab und zu kommen, kein Achsel⸗ 
zucken des russischen Generals, keine Drohungen des Osterreichers 
schreckten ihn zurück. Er wußte sich seinen Weg zu dahnen durch die 
Schultern und Rücken der Adjutanten, selbst durch die Kolben 
der Grenadiere; wo nicht seine Überredungskunst, und der wohl— 
wollende Ton und Blick des redlichen Mannes, da half das Gold, 
das er mit uneigennütziger Großmut für das Wohl seiner Vater— 
stadt spendete. Es war der edle Bürger, der reiche Kaufmann, 
der große Fabrikherr Gotzkowsky, ein Patriot, wie wenige, der 
seine großen Mittel würdig und wirkungsvoll zum Besten seines 
Königs, seines Vaterlandes, seiner Mitbürger verwandte. Die 
Geschichte hat seinen Namen mit unverlöschbaren Zügen in ihre 
Tafeln eingetragen für das, was er 1760 an Berlin tat; er 
sollte spätet auch noch für Sachsens zweite Hauptstadt derselbe 
rettende Engel werden, der er jetzt seiner Vaterstadt war, als der 
ergrimmte Friedrich seine eiserne Hand auf Leipzig legte, daß es 
Berlins Unglück und die verblendete Hartnäckigkeit seines Kur— 
fürsten büße. Gotzkowsky hat sich mit dem Opfer seines un— 
geheuren Vermögens einen Platz in der Geschichte erkauft, die 
Dankbarkeit der Mitwelt hat ihn nicht belohnt; die Gerechtigkeit, 
die den Menschen als Menschen ehrt, sollte noch auf Preußens 
Throne geboren werden. Gotzlkowsky starb, man sagt gebrochenen 
Herzens; daß sein Vermögen zerronnen war, soll ihn nicht am 
nefsten gedrückt haben. Auch die Nachwelt hat ihm nicht gedankt
	        
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