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Viertes Buch. Die Vaterstadt Viertes Kapitel. Tottleben

Full text: Cabanis. / Alexis, Willibald (Public Domain)

7. Kapitel. Toltleben. 
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es konnte; aber der Fliehende hatte das Moor nicht beachtet, in 
das er es gerade hineingelenkt. Er wollte fliehen und das Tier 
Boden suchen. Er war noch nicht in der Mitte des Morastes, 
als es schon bis über die Knie im Wasser stehen blieb. Von 
hinten schallte ihm ein lautes Gelächter nach. Er schlug mit den 
Hacken in die Seiten, das Pferd blieb stehen; er flehte, das Tier 
rückte sich nicht. Jetzt pfiff ein Kosak, und das Tier spitzte die 
Ohren. Er pfiff zum zweitenmal, und es machte kehrt. Einige 
zehn pfiffen, die Pferde wieherten ihrem verlaufenen Kameraden 
zu, und keine Sporen und keine Stahlkette und kein Name 
Friedrich hätten es länger gehalten. Durch dick und dünn trabte 
das Tier zurück, seinem Reiter nicht einmal Zeit lassend ab— 
zuspringen. Mit einem Satz war es zurück über den Graben, 
den zu passieren seine Verfolger sich nicht erst die Mühe gegeben 
und wollte, als wäre nichts geschehen, wieder mittrabenDie 
Söhne des Urals schienen indes nicht einer Meinung des Ver— 
gebens und Vergessens. Eine derbe Faust hatte ihn ergriffen und 
riß ihn von hinten herab. Im Moment blinkten drei Piken⸗ 
spitzen auf den unsanft in den Sand Gestreckten; doch das grinsende 
Gesicht eines vierten, es mochte eine Art Offizier sein, hielt sie 
zurück und kreischte ihnen etwas zu, was Stephan nicht verstand. 
Sie lachten und statt der blanken Waffen griff man nach den 
Peitschen. Stephans Blut siedete, er wollte aufspringen, doch ein 
alter Kosak hielt ihm kaltblütig die Pike vor die Brust, ihm mit 
der Spitze ums Gesicht kitzelnd: „Bis ruhig! Tut nix!“ Zähne⸗ 
knirschend riß er ein Terzerol aus der Brust und richtete es dem 
grinsenden Kalmückengesicht entgegen, das ihn jetzt beinahe be— 
rührte, indes sein Eigner fest im Sattel, obgleich drei Viertel 
des Leibes überlagen, mit dem Kantschu aushoite. 
Mochte er losdrücken, den Kosaken treffen oder nicht, sein 
Los schien nun ein anderes zu werden. Friedrichs Botschaft 
schien bestimmt zu modern in einem Wassergraben oder verscharrt 
zu liegen im Sande der Köpenicker Heide Schnalzend, halb 
Erstaunen, halb Lust, fuhren die rohen Natursöhne zurück und 
schwenkten die Piken um ihn, wie einem gehetzten Wilde den 
Garaus zu geben, als in dem rechten Augenblick ein Trupp 
Offiziere heransprengte. Ein, Halt!‘ einige Flüche und Stöße 
trieben die allzu heftigen Erekutoren auseinander. Der Vornehmste 
unter den Offizieren fragte nach der Ursache des Auftritts. Man 
xapportierte. Das Terzerol war noch in der Hand unseres 
Freundes, der sich jetzt halb erhfoben. Ein Wink des Anführers 
hieß ihn ganz aufstehen. Mit einem scharfen Blick hatte der 
General ihn gemustert. Auf Deutsch rief er ihm zu:
	        
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