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Alexis, Cabanis.
schwebte in Gefahr, den Belagerten in die Hände zu fallen.
Unüberwunden nach Schlesien ziehend, ging er einer größeren
entgegen. Sein kleines Heer war bei Liegnitz umzingelt, eiserne
Arme hielten ihn umklammert und die letzte Stunde des Großen
schien in der hellen Sternennacht zu schlagen. Da erwachte,
hell wie jemals, Friedrichss Genius, am Abend gab man ihn
verloren, ehe die Morgensonne alle Schläfer in Dauns Lager
erweckt, hatte er Laudon geschlagen, geworfen und stand, im
Siegermarsch auf das errettete Breslau, groß wie je in der alten
Glorie. Es war nicht die größte Schlacht des Krieges, aber
nie bis da war Friedrich aus einer so dringenden Gefahr so
plötzlich, schnell, so durch Entschlossenheit, Kraft und Vertrauen
in sich gerettet.
Ihn selbst, den im Zauber seines Namens gerüsteten, zu
überwinden, gaben die Feinde auf. Die Hand zitterte, die sich
gegen ihn erhob, der wohlberechnete Schlag wurde unsicher, wenn
er seinem Blicke begegnete; auch der Schlafende kann aufspringen
und das Entsetzen entwaffnet die Mörder. Man wollte ihn
besiegen, indem man seine Mittel vernichtete, man gab den Ruhm
auf um des Vorteils willen. Berlin war Friedrichs Waffen—
schmiede, der Mittelpunkt einer blühenden Industrie, schon glänzend
durch ihre Bildung, reich durch Gewerbe und Handel. Hier
fammelten sich die Lebenssäfte im Winter, daß der preußische
Baum seine Laubkrone wieder den Stürmen des Sommers ent—
gegenbreiten konnte, von hier wuchs sein Heer, von hier füllten
sich seine Kassen, seine Magazine, seine Rüstkammern. Hier
dürfte ihm eine Wunde beigebracht werden, die nicht mehr zu
heilen ging. Aber dieselbe Macht, welche um seine königliche
Stirn schwebte, hatte auch den Gewitterschlag von seiner Königs—
stadt abgewandt. Kein Feldherr hatte es gewagt, mit ganzer
Kraft drauf zu marschieren und den entscheidenden Schlag zu tun.
War auch sein Degen an der fernen Neiße, oder tief in Böhmen,
sein Geist war doch in Berlin, Friedrichs Name, eine magische
Scheu, schwebte über den Türmen des neuen Palmyra. Nur
einmal zu Anfang des Krieges hatte der kühne Parteigänger
Haddik gezeigt, daß auch Berlin zugänglich war. Doch mußte
er sich mit dem Ruhm begnügen; und das Dutzend Berliner
Handschuhe, welche er seiner Kaiserin mitgebracht, waren von mehr
Wert als die Tausende von einer Kontribution, die nur zur Hälfte
durch Drohung erpreßt wurde. Jetzt richteten sich aufs neue die
wolitischen Blicke seiner Gegner auf die preußifsche Haupistadt.
Osterreicher und Russen waren einig. Das Geheimnis, gepflogen
zwischen neidischen Feldherren, besprochen zwischen Hofräten.