3. Kapitel. Not und Hilfe.
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Und als die sprachlose Umarmung zum sprachlosen Erstaunen
vorüber war, trocknete Amelie mit dem Taschentuch das Auge
und hielt ihm die Hand hin: „Sie guter, guter Kammerherr —
da waren wir nun so lange getrennt und da sehen wir uns jetzt
wieder. — Wenn doch das immer der Mensch bedächte, wenn er
Abschied nimmt, daß er wiederkommen kann! Nicht wahr, lieber
Kammerherr, das ist wahr? Ach, es gibt Wahrheiten im Leben,
die niemand wegleugnen kann. Wir wissen das. Und wie Sie
gesund aussehen! Wie ich mich dazumal um Sie geängstigt
habe. Es geht nichts über Angst. Das greift die Nerven an.“ —
Der Kammerherr wußte nicht, was er sagen sollte, Amelie
auch nicht, wie es weiter gehen sollte, aber die Damen konnten
meinen, das gehöre zur Skandalgeschichte, und das wollte sie
auch nicht. „Wie uns unsere Freundinnen ansehen! — Ja, wäre
es anderswo, lieber Kammerherr, da dürften wir nicht geradeaus
sprechen, wie uns ums Herz ist. Aber ich ..... denke in
Augenblicken, wo es einem übergeht, nimmt man's nicht so genau.
Wir sind ja hier unter uns, unter lauter guten Menschen, und
die verstehen sich doch! Nicht wahr, wir verstehen uns?“
Sie drückte so herzlich der Kammerrätin und dem Fräulein
Süßmilch und der Steuerrätin die Hand, trocknete wieder das
Gesicht. Und während noch alle gerührt oder betroffen waren,
kam sie doch zuerst wieder zu Worten: „Aber mein Gott, Kammer—
herr, wie kommen Sie nach Dresden? Kamen Sie mit den
Osterreichern, oder waren Sie versteckt während der Belagerung?
Wenn das war, ach, ich hoffe aber nicht, — gut, daß ich es
dann nicht gewußt; ich hätte keinen ruhigen Augenblick gehabt,
keinen einzigen, um Gottes willen, Kammerherr, welchen Gefahren
haben Sie sich exponiert!“
„Die gute Klinkauf hatte es übernommen, ihren Protegé
die Zeit über zu verstecken,“ fagte die korpulente Dame. „Nicht
wahr, die ganze Zeit über?“
Amelie war so glücklich, aus einer Überraschung und Ent—
zückung in die andere übergehen zu können, und jede war doch
eine Lüge wert, die sie währenddessen hätte vorbringen können. Sie
mußte die Wirtin für ihre unbeschreibliche Güte und Aufopferung
küssen und wieder küssen und die Wißbegierigen bekamen noch
nicht ihre Geschichte.
„Sie meinen, holdseliges Fräulein —“ hub der einzige Mann
unter den drei Damen jetzt mit entfärbtem Gesichte fragend an.
„Daß es um Sie geschehen war, wenn man Sie entdeckt
hätte! Ach, Sie kennen nicht diese Preußßen. Meine Freundinnen,
wäre es nicht entsetzlich gewesen, wenn diese rohen Unmenschen