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Drittes Buch. Der Marquis Drittes Kapitel. Not und Hilfe

Full text: Cabanis. / Alexis, Willibald (Public Domain)

3. Kapitel. Not und Hilse. 
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Der Graf sagt: Ich muß etwas der Klinkauf getan haben, 
sie kommt nicht mehr, sie grüßt nicht mehr; was ist das· 
Hat auch der Graf gefehlt, was haben wir verschuldet! So rächt 
man sich doch nicht. Ach und die gute Komtesse ist untröstlich. 
Wissen Sie noch, wo wir uns zuletzt sahen? Es war an der 
tatholischen Kirche. Wir stiegen die Walltreppe hinauf und Sie 
gingen über die Brücke — halt, ich versah mich, Sie gingen 
nach dem Zwinger. Sie drohten uns noch von der Galerie her 
mit dem Finger. Ach, wir haben eine schwere Zeit gehabt, die 
Angst und die Kontributionen und die Einquartierung; liebe, 
beste, süße Klinkauf, welche Freude, Sie wiederzusehen und so 
wohl. Wie ging es Ihnen die schlimme Zeit?“ 
„Sie wollten ja, Liebste,“ — fing die Hagere an. 
„Ach, Fräulein Süßmilch! Bei Gott, ich hätte Sie nicht 
wiedererkannt, so stark find Sie geworden. Wissen Sie, die Be— 
lagerung ist bei Ihnen gut eingeschlagen. Sie sehen ohne 
Scherz wie eine frische Augustrose aus. Da dürfen wir uns 
nicht sehen lassen. Im ganzen Hotel ist keinem die schmale Kost 
bekommen. — Stand denn bei Ihnen auch das Wasser in den 
Kellern “ — 
„Der Kaffee wird schon kalt sein, sonst würde ich —“ sagte 
die Wirtin. 
„Der Kaffee unserer Klinkauf hat zu gutes Renommee in 
Dresden, kalt und warm, um nicht auf ein Schälchen Appetit 
zu haben,“ entgegnete das Fräulein wider Erwarten, und schob 
sich mit ihrem Stuhl an den Tisch. 
„Was ist denn eigentlich passiert, meine Gute?“ sagte die 
beleibte Dame, sich zu ihr setzend. 
„Sie verzeihen, ich bin noch etwas außer Atem von den 
hohen Treppenstufen. Darf ich um ein Stückchen Kuchen bitten —“ 
Die Tochter der besorgten Mutter präsentierte den Teller. 
Anielie nickte ihr zu: „Wie scharmant die Ottilie sich auswächst. 
Ich sehe sie noch, wie sie in Blasewitz auf den Tisch sprang und 
die größte Waffel von der Schüssel nahm. Darum brauchst du 
dich nicht zu schämen, mein Herzensmädchen, wir waren alle ein⸗ 
mal Kinder. Nicht so, liebe Kammerätin?“ 
„Sie haben sich doch jetzt erholt, — von derTreppe mein' ich.“ 
Amelie aber mußte den Kuchen essen, und wäre sie noch ein 
Kind gewesen und die Gouvernante hätte neben ihr gesessen, wie 
die wißbegierigen Damen jetzt, so wäre sie gescholten worden 
über die uünmanierliche Art mit beiden Händen und die großen 
Bissen und daß sie stumm auf die Fragen nur ein Ja zuͤnickte, 
und wie sie drauf, gleich einem unartigen Mädchen, die Wirtin
	        
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