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Zweites Buch. Der Deserteur Erstes Kapitel.Der Kammerherr

Full text: Cabanis. / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Alexis, Cabanis. 
„Es war ein eigenes Gefühl, über den hundert Pulverfässern 
zu stehen, die Bombardiere mit den Lunten die Schloßgasse um— 
herreiten zu sehen und im fatalen Gesicht jedes österreichischen 
Parlamentariers lesen zu müssen, ob sein Feldherr im Sinne 
hatte, es auf unsere freiwillige Himmelfahrt ankommen zu lassen.“ 
„Schmettau war ein Mann.“ 
„Er hätte nur noch einen Ball geben sollen und unseren Hof 
zwingen über den Pulverfäfssern eine graziöse Polonaise zu tanzen, 
dann hätte er ganz Ihre Bewunderung. — Mich wundert,“ 
fuhr die Gesellschafterin nach einer Pause fort, „daß keiner der 
preußischen Helden sich in Sie verliebte, denn bei allen Göttern 
des Krieges, Sie, Eugenie, waren die einzige, die nicht zitterte, 
in Ihrer Resignation lag etwas Martialisches, und Ihre Augen 
glühten, daß, wäre ich ein Mann gewesen, ich hätte mich Ihnen 
zu Füßen gestürzt. So, als ein furchtsames Mädchen, war 
r bange, ein Funke von dem vielen Feuer könnte ins Pubver 
allen.“ 
„Du wolltest Licht bringen.“ 
„Eben hatten Sie es mir verboten.“ 
„Sagte ich das? Der Wind würde es ausblasen.“ 
„Im Zimmer? Sie sind zerstreut.“ 
„Und du wenig gesprächig. Erzähle etwas.“ 
„Etwa eine Gespenstergeschichte! Die Dunkelheit ladet dazu 
ein. Sie sehen wieder aus dem Fenster just nach dem alten 
Brunnen, von wo der verwünschte Schloßverwalter seine mitter— 
nächtlichen Promenaden anstellen soll. Ich habe ihn zwar noch 
nie leibhaftig erblickt, aber da meine gnädigste Cousine letzthin 
die Möglichkeit von Geisternähe so warm verteidigte, warum 
sollte gerade der Schloßverwalter nicht spuken können.“ 
„Törin! Was machte dein Freund, Herr Rabener. als 
er dich letzt in Dresden besuchte.“ 
„Er sah die göttliche Komödie auf Ihrem Tisch und meinte, 
es wäre eine unpassende Lektüre für ein junges und liebens— 
würdiges Frauenzimmer.“ 
„Er soll seine Satiren so schreiben, daß ich sie darüber ver— 
gessen kann.“ 
„Um Ihnen zu gefallen, müßte er das halbe menschliche Ge— 
schlecht, nämlich die Frauen verlästern und die Männer dazu. 
Für beides ist Herr Rabener indessen ein viel zu wohlerzogener 
Mann.“ 
„Sie alle sind zu wohlerzogen für unsere Zeit. Ihre Poefie 
geht in seidenen Strümpfen.“ 
Ob unfere Poeten alle seidene Strümpfe besitzen fragt sich!“
	        
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