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Erstes Buch Der Oberst und seine Mannschaften treten an

Full text: Die Grandidiers / Rodenberg, Julius (Public Domain)

„Alfons Grandidier,“ versetzte der Oberst, der, immer 
abwechselnd, bald in die rechte Brusttasche fuhr, um zu 
prüferi, ob die Handschuhe in Ordnung seien, und bald in 
die linke, um zu sehen, ob die Granaten sich doch vielleicht 
nicht noch fänden. V 
Freilich,“ sagie Hexr Grandidier und blieb in der Mitte 
des Zimmers stehen, „Familie — was heißt Familie! Was 
lsegt alles dazwischen — zweihundert Jahre — Paris und 
Berlin, Deutschland und Frankreich — katholisch und refor⸗ 
miert. — Bah, das nenn' ich keine Familie mehr ... Aber 
Alfons — Alsons Grandidier, wie der Unglückliche, dem 
damals das Kind geraubt worden — wie der Bruder des 
ersten Grandidier, der in jenen Tagen nach Berlin gekommen 
ind von Söhnen, Töchtern, Enkeln und Urenkeln umgeben 
friedlich schlummert in der Ecke des französischen Kirchhofs 
vor dem Oranienburger Tor ... Zur Zwangsarbeit! Das 
ist schrecklich — einen Sohn so zu verlieren ist schrecklicher 
noch, als ihn in den Händen der Mönche seinen Glauben ab⸗ 
schwören zu sehen . ..“ Dann wieder vor den Oberst hin⸗ 
tretend, drückte er ihm abermals die Hand und sagte: „Wirk— 
lich, Sie haben mir, wenn auch in einer traurigen Sache, 
doch einen großen Dienst erwiesen.“ 
„Es ist gern geschehen,“ erwiderte der Oberst mit einem Aus⸗ 
druck von Zufriedenheit, wie wenn er sich nie etwas Besseres 
wünsche, als die Familien untereinander mit den gegensei—⸗ 
tigen Unglücksfällen und Schicksalsschlägen bekannt zu machen. 
„Und die Eltern ...“ sagte Herr Grandidier nach einer 
Pause — denn er hatte offenbar noch etwas auf dem Herzen, 
was, wie es schien, ihm ebenso schwer ward auszusprechen 
als zu verschweigen .. „Das heißt,“ setzte er dann sogleich 
hinzu, als er sah, daß der Oberst den Mund öffnen wollte. 
Er wünschte von ihm irgend etwas zu wissen und fürchtete 
es zu hören ... „Sie sind in Paris gewesen,“ begann er 
endlich aufs neue, „Sie kennen die, Verhältnisse ... sagen 
Sie .. steht das Ueine Haus noch?“ 
„Welches kleine Haus?“ fragte der Oberst. 
Das Haus der Grandidiers ... in der Cité, dem Palais 
de Justice gegenüber, nicht weit von der Notre-Dame, das 
alte leine Haus ...“ 
„Geben Sie sich weiter keine Mühe,“ sagte der Oberst, 
dem Gedächtnis des Herrn Grandidier zu Hilfe kommend, 
—RB
	        
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