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Viertes Buch Auf Straßburgs Trümmern

Full text: Die Grandidiers / Rodenberg, Julius (Public Domain)

zusammengebunden, sonst wenig verändert und fast noch 
so wie Eduard Grandidier es zuerst am Rande der Wüste 
gesehen hatte — sein tiefes Braun, das Erbteil der südlichen 
Sonne, leicht angehaucht von der Farbe des Todes. 
Ein unsagbares Weh überkam Eduard, als er sich der 
Leiche nahte. „Alfons,“ rief er, „Alfons! Und so hörst du 
mich nicht mehr! Und so kann ich sür das, was du mir im 
Leben gewesen, nur einem Toten die Hand drücken!...“ 
Alfons konnte noch nicht lange seinen letzten Atem ausge⸗ 
haucht haben. Aber es war vergeblich, Helene zu befragen. 
Draußen hörte man das dumpfe Rollen eines Karrens, 
und schwere Schritte nahten der Treppe. Fritz Scharf blickte 
hinaus und sagte dann zu Herrn Grandidier: „Wir sind 
rechtzeitig gekommen zum Leichenbegängnis von Alfons 
Grandidier.“ 
Drei Männer, in einer Art von Uniform, erschienen im 
Halbdunkel. Sie mochten zu einem jener mildtätigen Vereine 
gehören, die sich zurzeit der Bedrängnis in dieser Stadt 
gebildet hatten, oder von einem derselben gesandt worden 
sein. Sie trugen einen Sarg herein; ein jämmerliches Ding, 
selbst für einen Sarg: kaum, daß die rohen, hastig zusammen⸗ 
gefügten Bretter übereinander festhielten. 
Eduard trat 9— einem der drei, während sie den Sarg 
niedersetzten. „Es ist, wie es ist, mein Herr,“ sagte dieser, 
gleichsam entschuldigend; „wir haben mehr als einen, mehr 
cils hundert, Mann und Weib, Greis und Kind, so hinaus⸗ 
gebracht nach dem Botanischen Garten. Und wenn wir sie 
hinausbrachten, mußten wir noch achtgeben, daß uns nicht 
uͤnterwegs eine Granate oder Bombe erwische. Dann hätten 
wir alle zusammen liegenbleiben können, die Toten und die 
Totengräber.“ 
Es war eine Art von grimmem Humor in diesen Worten. 
Aber Eduard gab dem Manne nicht Zeit, in dieser Weise fort— 
zufahren. „Wie war es möglich, daß dieser brave Soldat 
fiel, als alles oder doch wenigstens das Schlimmste schon 
vorüber?“ 
„Das Schlimmste, mein Herr,“ erwiderte der Mann, 
indem er sich offenbar Mühe gab, dem preußischen Offizier 
gegenüber in einem angemessenen Tone zu reden, „ach, sie 
haben uns nichts Schlimmes erspart bis zu dem ällerletzten 
Augenblick. Freilich war schon alles vorüber; aber das hinderte 
Rodenberg, Die Grandidiers 27 417
	        
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