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Drittes Buch Maintenons! (Alter Hugenottenruf)

Full text: Die Grandidiers / Rodenberg, Julius (Public Domain)

Deutschland und Frankreich mit diesem Augenblicke beginne. 
Es war das letzte Wort Bismarcks, nüchtern, geschäfts⸗ 
mäßig, ohne Sentimentalität und ohne Pathos; aber es 
wirkte befreiend auf die Gemüter, der Druck der Unsicherheit 
war hinweggenommen, und jedermann fühlte sich der un— 
abänderlichen Tatsache gegenüber. 
Als Bismarck, vom jubelnden Volkshaufen begrüßt, von 
der Treppe des Reichstagegebäudes herabkam, um in seinen 
Wagen zu steigen, da stand in der vordersten Reihe des 
Spaliers, welches sich gebildet hatte, der Oberst. „Ich habe 
gesagt,“ sprach er, als ob er der öffentlichen Meinung diese 
Erklaͤrung schuldig sei, „aß man es wohl noch einmal er— 
leben könne, den alten Achtundvierziger den Hut abnehmen 
zu sehen vor dem Junker. Was wir damals gewollt, geht 
setzt durch ihn in Erfüllung — der Deutsche wird wieder ein 
Vaterland haben — auf drum in den Krieg für das neue 
Deutsche Reich und es lebe Bismarck!“ Hierauf nahm der 
Oberst den Hut ab und ein vielstimmiger Hochruf begleitete 
den Wagen des Kanzlers, als dieser durch die Leipziger 
Straße sich entfernte. 
Für den Obersten aber schienen die schönen Tage des un— 
vergeßlichen Jahres zurückgekehrt. Es gab wieder etwas zu 
tun. Es war wieder erlaubt, sich für das Vaterland zu be⸗ 
geistern. Er durfte, wenn er wollte, wieder Reden halten 
und auch sein Patriotismus war nicht länger verpönt. 
„Sie haben die Sache des, Volkes in die Hand genommen,“ 
rief er, „folgen wir ihnen.“ Aufs neue zu Ehren gekommen 
war der Traum seiner Jugend, welcher damals in den 
Parlamenten zersprengt, in den Freischarenhaufen aus— 
einander getrieben, mit Pulver und Blei zu Boden gestreckt 
schien — und es war nicht länger ein Traum! Der König 
von Preußen hatte selber das Banner erhoben, unter dem 
es keinen Unterschied der Parteien, keine Trennung von 
Volk und Heer, keinen Gegensatz von Nord und Süd mehr 
gab. Wie weggewischt war die Mainlinie und wer noch ver⸗ 
bittert bisher an fremden Küsten geweilt, eilte selber herbei 
oder sandte reichliche Gaben zum Kriege für des deutschen 
Volkes Wiedergeburt. „Und nun, Kinder,“ wandte der 
Oberst sich an die Umstehenden, „jeder in sein Haus und jeder 
an sein Werk; denn nicht nur der Soldat im Felde, sondern 
auch der Bürger daheim hat seine Pflicht zu erfüllen.“ 
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