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Drittes Buch Das Gewitter steigt herauf

Full text: Die Grandidiers / Rodenberg, Julius (Public Domain)

druck auf das Wort „alle“ legte; „und,“ fügte er hinzu, als 
ob gar kein Zweifel darüber sein könne, was den fröhüchen 
darl hierher gefihrt habe, „im übrigen wünsche ich dir viei 
Glück.* gSierauf, nach einem kräffigen Händedrud, ging er 
an seinen Platz zurück, nahm die Pfeife wieder in den Mund 
und setzte Geine Arbeit fort. 
SHerr, Grandidier führte seinen Besuch in das „gute 
Zimmer“ —denmn ein solches mit denselben steifen Möbeln, 
Überzůgen und Leinenstreifen war auch in der Villa — 
während Frau Grandidier in das Souterrain hinabstieg, um 
Friederike mit der großen, sie betreffenden Neuigkeit be— 
kannt zu machen, und Friederike zeigte sich derselben voll⸗ 
ommen gewachsen. Friederike war eine gesunde Thüringer 
Natur. Weder erschrak sie besonders, noch ece Tränen. 
Das einzige, was sie wunderte, war, bei dieser Gelegenheit 
zu erfahren, daß er es so ernsthaft meine. Sie habe schon 
Zu viel Erfahrungen in diesem Punkte gemacht. Aber frei⸗— 
lich, Karl sei besser als die anderen, das habe sie stets gesagt 
„Und so bescheiden, Madame, so bescheiden Meinen Sie, 
daß er jemals etwas gegen mich herausgenommen 
häfte? Nein, Madame, niemois.“ Imn übrigen war sie 
bereit, und erbat sich nur so viel Jeit, um eine weiße Schürze 
vorzubinden. 
Als sie, den Zipfel der weißen Schürze in der Hand, vor 
den beiden Herren im guten Zimmer erschien, blieb sie mit 
niedergeschlagenem Blick dicht an der Türe stehen, denn sie 
wußte wohl, was sich schickte; und die einzige Bewegung, 
welche Karl machte, war — nicht ihr entgegen, sondern nach 
dem neuen, schönen Hute, der auf dem Tische stand. Denn 
auch er wußte, was sich schickte. Diese beiden Menschen 
waren wirklich füreinander wie geschaffen. Hinter Frau 
Grandidier waͤr Barbel eingetreten; sie legte ihren Arm in 
den der mütterlichen Freundin und betrachtete unausgesetzt 
Friederike, für welche sie immer eine großße Sympathie ge⸗ 
habt, in diesem, Augenblick aber mehr als je zuvor 
Herr Grandidier nahm jetzt das Wort mit einer gewissen 
Umständlichkeit, an welche seine Leute bei 
feierlchen Anlässen gewöhnt waren. Denn selbst in feinen 
schlimmsten Zeiten war er gegen die Dienstboten in seinem 
Hause und die Arbeiter in seiner Fabrik sich immer gleich 
geblieben. 
Rodenberg, Die Grandidiers 22 
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