treten und sie sehen, oder daß einer von den alten Bekannten
es ihm verraten könnte.
Doch Gott ist gerecht. Wenn Frau Grandidier ihren
Kummer hatte, so soͤllte Herr Grandidier bald auch den seinen
haben; und dieser Kummer, oder vielmehr derjenige, der ihm
denselhen bereitete, war sein Sohn Eduard — „Grandidier
junior“ wie sein Vater ihn schon nannte, als er noch im
Kinderwägelchen umhergefahren wurde.
Grandidier junior war der Spältüng der Ehe gewesen,
fast noch ein Kind, als seine beiden Schwestern sich rasch nach—
einander verheiraieten; die ältere, Charlotte, vulgo Lottchen,
an einen Geheimen Kanzlisten, der inzwischen Kanzleirat
geworden war, und die juinigere, Berta, an einen, großen
Industriellen gleichfalls don der französischen Kolome,
namens Süchier, Fabrikant von wollenen“ Stoffen und
Teppichen in der Stralduer Straße. Die gute und ehrenhafte
Stellung seiner Töchter machte den Valer glücklich; aber
sein Stolz war Grandidier junior. Gar nicht zu reden von
der besonderen Zärtlichkeit, die ihn zu diesem, seinem Jüngsten,
hinzog, hatte er auf ihn alle seine Hoffnungen in betreff der
Hüte gesetzt. Die Graͤundidiers hatten vor zweihundert Jahren
das Hutgeschäft mit sich nach Berlin gebracht, und es hatte
sich seitdem vererbt von Geschlecht zu Geschlecht, aber noch
niemals in solcher Größe, wie er es seinem Sohn hinter—
lassen würde. Wie beneidenswert war dieser Knabe, der sein
Nachfolger werden sollte, der Erbe all seiner Ehren und Reich⸗
tümer, der künftige Träger seiner Firma, der Stammhalter
des Hauses Grandidier! Wie gut würde er es einst haben!
Er kam sozusagen in ein gemachtes Belt. Er brauchte nur fort⸗
zusetzen, was der Vater begonnen; dem Alten lachte das
Herz im Leibe, wenn er an die Zutunft seines Sohnes dachte.
Allein schon in seinen jungen Jahren zeigte derselbe ge⸗
wisse Neigungen, die mit denen seines Baters nicht ganz
übereinstimmten. Er war ein hübscher Junge, mit langem,
weichen nußbraunem Haar und duntlen Augen, die träumerisch
und doch wieder auch teilnehmend in die Welt blidien. E—
war ein schwermütiger Ausdruck in ihnen, der zuzeiten ganz
Plötzlich bei irgendwelchem Anlaß einem schalkhaften, voll
Humor und lachender Heiterkeit Platz machte. Dabei war
er still für seine Jahre; früh schon mehr nach innen gewandt
als nach außen — aber darum lein Kopfhänger. Unter seinen
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