Dorfschaft Gerechtsame an demselben. Das alles mußte nun
erst abgelöst, Verhandlungen mit Ratspersonen und Notaren
mußten gepflogen, Eingaben gemacht und überhaupt viel
Umsicht und Klugheit angewandt werden. Denn diese weisen
Väter, sobald sie nur einmal merken, daß man es auf ein
Grundstück abgesehen hat, gehen mit ihren Forderungen
gleich in die Höhe. Das Bambusrohr, das mit dem goldenen
Knopfe, welches Herr Grandidier ehemals so hoch geschätzt
hatte, sah man nicht mehr. Aber der braune Rock, der sonst
nur bei wichtigen Angelegenheiten zum Vorschein kam, der
war jetzt in Permanenz. Denn Herrn Grandidiers ganzes
Leben bestand jetzt nur noch aus wichtigen Angelegenheiten —
aus solchen, wir bedauern es zu sagen, die ihm früher für
einen Mann seines Standes, Inhaber der Firma Grandidier,
als sehr unnütz, sehr zeitraubend, ja sehr töricht vorgekommen
sein würden. Aber so ist der Mensch; und Herr Grandidier
schreckte nicht vor Schwierigkeiten zurück, wenn er seinen Kopf
einmal auf etwas gesetzt hatte, wiewohl er sehr bald inne—
werden sollte, daß Häuser zu träumen billiger ist, als Häuser
zu bauen. Er ein Haus bauen, rein zum Vergnügen — eine
Villa in romantischer Lage! — Zuweilen, wenn er sich recht
darauf besann, kam ihm die Sache so komisch vor, daß er
selbst darüber lachen mußte. Doch auch das überwand er, und
zule tzt ncen er sie höchst ernsthaft, wie sie genommen werden
mußte. Er ward mit Leib und Seele Architekt. Ganze Haufen
von Büchern, Abbildungen und Beschreibungen schleppte er
zusammen und studierte sie, bis er das Ding so gut verstand
wie sein Baumeister. Diesem freilich ward angst und bange,
wenn Herr Grandidier kam, um ihm eine neue Idee mit—
zuteilen, wobei er von Gotik und Renaissance, von Grundbau
und Oberlicht sprach, von Simsen und Säulen, als ob er
Zeit seines Lebens nichts anderes getan hätte, als Risse zu
machen und Baupläne zu entwerfen. „Wissen Sie was,
Herr Grandidier,“ sagte der Baumeister in Verzweiflung,
„wenn wir das Haus so bauen, wie Sie wollen, so wird kein
Zimmer darin sein, in welchem Sie stehen, kein Fenster,
durch welches Sie sehen, und keine Treppe, auf der Sie gehen
können. Überlassen Sie das doch mir!“ Herr Gramdidier
war zwar weit davon entfernt, widerlegt worden zu sein. Er
* zu Haus ganz laut, daß der Baumeister ein störrischer
ensch sei, der sich seiner besseren Einsicht verschließe; und
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