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Die Damen

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

widmeten, waren die Vertreterinnen der 
hoͤheren Damenwelt noch in vielen Vor— 
urteilen befangen und waren Freunde der 
Wahrsagerei, ließen sich, die neueste Mode 
mitmachend, hypnotisieren (siehe Seite 77: 
Der Magnetiseur) und genasen von den 
schwersten Krankheiten, wenn das neue 
Kleid kam. 
Auch in der Trauerkleidung, die auch da— 
mals schon von schwarzer Farbe sein mußte, 
blieben sie kokett. Von 1780 an wurde die 
Mode zwar einfacher. Aber sie bot immer 
noch Gelegenheit genug, um den vielen ober— 
flaͤchlichen Frauen, denen noch kein geistiger 
Inhalt gegeben war, die Lust am uͤber— 
maͤßigen Prunk und am inhaltlosen Dahin— 
leben der Tage zu lassen. Außer den einge— 
bildeten Adeligen — unter denen oft wirklich 
Wohlerzogene 
waren — gab's ja auch genug Buͤrgerliche, die 
ploͤtzlich, oft durch die vielen Kriege reich ge— 
worden waren. Deren Frauen hatten was 
parvenuͤartiges an sich. Es waren eben 
Weibchen, von denen man nur weibliche 
Natur, aber keinen Inhalt verlangt hatte. 
Wenn solche Damen auch spaͤter dem 
klassischen Geschmack sich hingaben und Harfe 
spielten, wenn sie auch unter den unbe— 
schnittenen Baͤumen der neuen Gaͤrten freier 
und weniger geziert dahinschritten — sie 
waren doch in vielen Beschraͤnktheiten be— 
fangen, liefen zu den Kartenschlaͤgerinnen, er— 
quickten sich an den rohen Hinrichtungen und 
an den Moritaten — und zeigten tausend 
andere Maͤngel an Herz und Bildung. — Ent— 
fuͤhrungen kamen haͤufig vor. Die obersten 
Kreise glaubten ein Privileg zu haben, sich 
bei schoͤnen jungen Frauen die Rechte des 
Mannes anmaßen zu duͤrfen. Es war die Zeit, 
in der der Thronerbe, der spaͤtere Koͤnig Fried— 
Trauergesellschaft im Jahre 1780.
	        
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