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Die Damen

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Lebenshaltung zu bedingen. Auch 
zwischen den Staͤnden fielen schon die 
Schranken — wenn nur das all— 
maͤchtige Gold seinen Glanz hinuͤber— 
strahlte. Gleichartige Lebenshaltung 
zerstoͤrte auch hier die Vorurteile — 
wenn ein bedeutendes Vermoͤgen die 
Bruͤcke machte, uͤber die gewoͤhnliche 
Buͤrgerliche in das Land des Adels 
einziehen konnten. Hat doch schon 
der Hofmarschall Graf von Roͤderer 
in der ersten Haͤlfte des 18. Jahr— 
hunderts eine Mdlle Orguelin ge— 
heiratet, deren Vater sehr wohl—⸗ 
habend war. — — 
Den reicheren Damen ward 
eben das Leben zu einem Fest. — 
Ihnen fehlte es auch nicht an Lecker— 
bissen und auslaͤndischen Delikatessen. 
Consentius berichtet, daß die Witwe 
Stoltzenhagen Mandeln, Rosinen, 
eingemachte Champignons, Capern, 
Gurken, Oliven und manch anderes 
in ihrem Keller neben dem Posthause 
feilhielt. Feigen kamen aus Spanien, 
lange Nuͤsse aus Italien und frischer Raͤucherlachs aus Archangel. Nuͤrn— 
berg schickte allerlei leckere Mehlbaͤckerei, und aus Hamburg kamen manche 
Kaufleute mit feinen Waren. Selbst solche empfindliche Ware wie die 
Austern wußten die Haͤndler frisch nach Berlin zu bringen — zum Ergoͤtzen 
aller Feinschmecker. Schokolade gehoͤrte uͤbrigens auch zu den Dingen, die 
nur fuͤr sehr Bemittelte zu haben waren. Das Pfund kostete 10—16 
Groschen, das entsprach also einem Preis von 6—8 nach dem heutigen 
Wert des Geldes. Tee und Kaffee waren zwar billiger, aber der dazu 
gehoͤrige Zucker kostete 452077 Groschen (355 40 das Pfund, so daß diese 
beiden Getraͤnke auch nur den Damen oder dem besser gestellten Buͤrgerstand 
reserviert blieben. 
Die machten denn ein großes Wesen beim Kaffeetrinken und so moͤgen 
wohl die Kaffeevisiten und Klatschgesellschaften entstanden sein, wo aus 
chinesischen Tassen von lackierten Tischen getrunken wurde und auch wohl 
feinziselierte Schnupftabakdosen von Hand zu Hand wanderten, um auch 
Chodowiecki: Im Schlafzimmer.
	        
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