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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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— 
veinrich 
le: Tiergartenmischung. (Eine bestimmte Grassorte 
genannt werden, sind eigentlich bedauernswerte Geschoͤpfe. Auch sie 
sind vielfach auf die engbebauten Straßen angewiesen und koͤnnen nicht 
den ganzen Tag im Tiergarten spazieren gefuͤhrt werden. Und sie leiden 
unter einem Zuviel, wo die Proletarierkinder unter einem Zuwenig leiden: 
sie werden nur zu oft mit teuerem Putz und allerlei Tand behaͤngt, der ihnen 
alles Kindliche nimmt. Wieviel vier- und sechsjaͤhrige sieht man mit Sonnen— 
schirm und Handschuhen und in einer Kleidung, in der sie aussehen wie 
eine Miniaturausgabe der laͤcherlichsten, oberflaͤchlichsten, aber so oft ver— 
himmelten Modedamen! 
Sie — denen die Sonne doch so gaut tut — muͤssen sich mit einem 
Schirm schleppen. 
Arme, reiche Weltstadtkinder! ... 
So wird denn jeder Mensch, der in Berlin lebt, ein Stuͤck der großen 
Stadt. Und koͤnnen wir auch heute nur schwer den Typ der Berlinerin fest— 
stellen, ist sie auch in vielen Dingen nur ein Ergebnis vieler anderer Kulturen 
— wir kennen sie sofort heraus, wenn wir sie in anderer Umgebung sehen. 
Sie erscheint dann ruͤhriger, intelligenter und klarer als andere. Und mag 
sie vielen Beobachtern kalt erscheinen — fuͤr ihre Naͤchsten hat sie alle Liebe, 
deren eine Frau faͤhig sein kann. 
Darin uͤbertrifft sie Berlin, darin uͤbertrifft sie die große Stadt. . . .
	        
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