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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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das der proletarischen 
Klasse. Schoͤn — sie wer— 
den im Sommer ab und 
zu einmal mitgenommen 
zu den Kinderfreuden— 
festen der Biergaͤrten. 
Aber auch dort kommen 
sie nur wieder in ein 
neues großstaͤdtisches 
Milieu. Diese Gaͤrten 
sind heute fast ohne Aus— 
nahmen eingerahmt von 
hohen Mietskasernen, 
die womoͤglich kahle 
Brandmauern den Gaͤr— 
ten zukehren. Unter den 
Baumreihen stehen ge— 
rade aneinandergereihte 
Tischreihen — Tisch bei 
Tisch, Stuhl bei Stuhl. 
Nirgends ein Tummel— 
platz fuͤr die Kinder. 
Nachmittags ist Konzert, 
— abends aber oft Tingel— 
Sabine Lepsius: Porträt meiner Tochter. tangel, wo die Kinder 
geschminkte, halbbekleidete Soubretten kraͤhen und allerlei Zweideutig— 
keiten hoͤren koͤnnen. Und Kientoͤppe, Kinomatographentheater gibt's 
fast in jeder Straße. Noch lange nicht ist das Repertoire dieser Buͤhnen fuͤr 
die Kinder berechnet. Aber gerade das lockt sie. 
Außer diesen gibt's ja noch Kreise, die mit ihren Kindern es besser 
meinen und Sonntags oft Ausfluͤge machen. Aber: welcher von den 
Familienvaͤtern vermag immer die Fahrgelder aufzubringen, die meist eine 
solche Tour ins Freie kostet? Und was nutzt auch solch Sonntagsausflug, 
wenn die sechs Wochentage auf dem Asphalt der Weltstadt und im Banne 
ihrer Zustaͤnde verbracht werden? 
Nun haben ja auch Tausende von Vaͤtern und Muͤttern ein Stuͤckchen 
Land in den Laubenkolonien gepachtet. Die Kinder, die dort ihre Freistunden 
verbringen, sind ja nun ein wenig besser dran. Aber sie leben doch im Bann— 
kreis der „Weltstadtkultur.“ — Und auch die „Tiergartenmischung“ — wie 
die Sproͤßlinge der wohlhabenden Viertel nach einer bekannten Grassorte
	        
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